Samstag, 31. Januar 2009

Fluch der Highlands - Deborah MacGillivray




Tolles Debüt!


Schottland im 12. Jahundert: Lady Tamlyn MacShane lebt den alten Weg und weiß daher, dass schon bald ein Fremder in ihr Land eindringen wird, um es ihr zu nehmen. Und obwohl magische Nebel das Schlimmste verhüten sollen, gelingt es Julian de Balliol – dem Schwarzen Drachen – in sie einzudringen. Die weisen Frauen des Clans erkennen in ihn den Auserwählten, der sie von den Normannen befreien wird. Da gibt es aber zwei Probleme: er ist selbst ein Normanne und durch schreckliche Erlebnisse ist sein Herz verdorrt. Er fordert Tamlyn und ihren Besitz für sich und sie muss sich fügen, denn er duldet keinen Widerspruch. Aber insgeheim sehnt er sich nach einer Familie und süßen Träumen und Tamlyn versucht ihr bestes, ihm beides zu bescheren. Doch dann gerät sie in die Fänge des Feindes ...


Die Autorin liefert ein wirklich gutes Debüt! Ihr Roman wurde mit zahlreichen Preisen beehrt und ich kann nur hoffen, dass wir von dieser Familie mit den schwarzen Haaren und den grünen Augen noch mehr zu lesen bekommen. Beide Charaktere sind ausgesprochen stolz und so dominiert das Machtspiel der beiden die Handlung sehr stark. Dies mag vielleicht auch nicht allen Lesern gefallen, da es oft an gewisse Grenzen stößt. Julians Wandlung ist aber sehr nachvollziehbar und gleitet nicht ab. Schottland und seine Geschichte, die Umgebung und die Magie sind wirklich lebendig eingefangen worden, dafür gibt es gleich noch mal Sonderpunkte. Die Autorin schrieb des Roman auch aufgrund ihrer eigenen Familiengeschichte, zu der sie viel recherchiert hatte. Als die Feinde auftauchen kommt viel Spannung und Action in den Roman, der sich aber auch sonst gut lesen lässt. Wer Liebesromane mag, kommt hier voll auf seine Kosten.


Lesung mit Jennifer Schreiner




Die Autorin liest in den folgenden Monaten aus ihren Romanen. Und zwar:


12.-13.03.2009
Leipziger Buchmesse
An den zwei Tagen kann man mir ganztägig auf der Messe über den Weg laufen.


21.03.2009 DortCon (Dortmund)
Ab 21.30 Uhr lese ich zusammen mit den Vampirautorinnen/autoren: Helene Henke, Tanya Carpenter und Mark Staats


15.-17.05.2009
findet in Celle das jä hrliche Treffen der DeLiAs (Deutsche Liebesromanautoren/Innen) statt. Ich werde vom 16.-17. anwesend sein.


21.05.2009
findet das Autorentreffen – mit mir als Gast – in Nürnberg statt.


Nur heute darf ich dir gehören - Nina Jonas




Angelina - Romane um die Macht der Liebe

Band 18

"Nur heute darf ich dir gehören" Nina Jonas



Sofie Amstetten hat, dank ihres Geldes, den falschen Mann geheiratet. Arnold Amstetten, geborener Dimpelmann, ist eigensüchtig, arrogant und absolut unsymphatisch. Aber er ist auch ein Blender und hat Sofies Notlage - ihre Eltern waren gerade umgekommen - schamlos ausgenutzt. Nun schafft er heimlich ihr Geld beiseite und hat schon über ein Jahr lang eine Geliebte. Eines Tages fährt er einen jungen Mann an, den auch Sofie schon flüchtig kennt und schätzt. Weil ihr Mann alles abstreitet, kümmert sie sich um Christian Vigelius und hat schon bald ihr Herz an ihn verloren. Schließlich verbringen sie eine romantische Nacht miteinander und Christian schmiedet bereits Zukunftspläne. Doch Sofie, die noch immer von Arnold geblendet ist, kann ihn nicht betrügen und hält an der Ehe fest, denn ein vor Gott und Welt gegebenes Wort bricht man nicht ...



Und wieder ein Heftroman, der mich sehr positiv überrascht hat. Eine dicht geschriebene Erzählung, deren einzelne Ereignisse vor dem inneren Auge ablaufen und damit absolut überzeugen. Sofie ist friedliebend und trotz ihres Geldes ehrlich und fleißig, damit sehr symphatisch. Arnold liebt schnelle Autos, Geld, Luxus und seine Geliebte(n), erweckt damit von Anfang an den Zorn der Leserin. Wie konnte sie sich nur je auf so einen Mann einlassen? Christian ist das genauer Gegenteil. Auch er ist ehrlich und friedliebend, sehr spontan, reiselustig und einfach ein Kerl, mit dem man Pferde stehlen möchte. Die Handlung spielt in Deutschland, in der Nähe von Mainz, was ebenfalls gefällt, da solche Geschichten meist nur aus Übersee eingeflogen worden sind. Vielleicht erkennt der ein oder andere einen Ort wieder? "Nur heute darf ich Dir gehören" von Nina Jones überzeugt mit einem völlig eigenen Charme.



Freitag, 30. Januar 2009

Gebieter meines Herzens - Karen Ranney





Leider nicht empfehlenswert!


Riona McKinsey wird auf einem Ball von dem gierigen Harold McDougal reingelegt und bloß gestellt. Der Skandal ist perfekt und nun bleibt ihr nur noch eines: Sie muss ihn heiraten! Da hilft es nichts, die Erbschaft zu verteufeln, die ihr dieses "Glück" beschert hat, ihre Familie wäre ruiniert, würde sie nicht auf Harolds Angebot eingehen. Ihre Mutter bittet einen alten Freund um Hilfe und der schickt ihr den jungen James MacRae. Dieser wird von Schuldgefühlen geplagt und soll so auf andere Gedanken kommen. Kaum angekommen, verlieben sich er und Riona auch schon und verbringen viel Zeit miteinander. Doch der gemeine Harold will nicht von ihr und ihrem Geld lassen. James versucht alles, muss aber scheitern. Also bleibt ihm nur noch eine Möglichkeit ...


Das ist der dritte Teil der Highland Lords Serie und sollte unbedingt in Folge gelesen werden. Da ich das nicht tat, ist mir ziemlich viel entgangen. Schuldgefühle weswegen? Was ist das für ein Fremder Thomas Drummond, der James umbringen will und dann völlig ereignislos in der Fremde stirbt? Da wird der Leser leider ziemlich im Dunklen gelassen. Die Hauptcharaktere sind nett und eigentlich auch symphatisch, doch wirkt es störend, wenn zum hundertsten Mal betont wird, dass James ja SO umwerfend aussieht und sich in den Verstand von Riona verliebt hat. Als hätten beide nichts anderes zu bieten - was leider, ich muss es sagen, auch so ist. Die Liebesgeschichte zieht sich recht arg in die Länge und kann keine Höhen und Tiefen bieten. Die Paare neben Riona und James nehmen gegen Ende einen ebenfalls hohen Stellenwert ein und versüßen die bittere Medizin.


Hedwig Courths-Mahler - Die Adoptivtochter




Band 46
Erschienen am 27.01.2009


Claudine Steinbrecht ist eine ältere, verbitterte Dame, die eine neue Gesellschafterin sucht. Anhand eines Fotos wählt sie die junge Waise Britta Lossen aus, ohne deren Namen zu kennen. Dieser hätte ihr nämlich verraten, dass es sich um die Tochter des Mannes handelt, mit dem sie vor Jahren verheiratet gewesen war und den sie durch ihre starke Eifersucht verloren hat. Britta kann kaum glauben, wie gut es ihr in ihrer neuen Stellung geht. Nur, dass die neue Herrin sie so oft nach dem verstorbenen Vater fragt, kommt ihr seltsam vor. Dann lernt sie die Neffen des Anwalts kennen, der sie zu Frau Steinbrecht gebracht hat. Der eine ist ein schnittiger Leutnant, der ihr nicht geheuer ist. Der andere ein ruhiger Doktor, der in ihr nicht gekannte Gefühle auslöst. Claudine liebt Britta bald wie ein eigenes Kind und beschließt, sie zu adoptieren und ihr das große Vermögen zu hinterlassen, über das sie verfügt. Sie ahnt nicht, in welche Abgründe sie Britta damit stürzt.


Mein allererster Courths-Mahler Roman, der mir auf Anhieb gefallen hat. Natürlich ist die Handlung extrem straff gespannt und kann dadurch nicht wirklich in die Tiefe gehen. Aber dennoch wird alles gesagt und erzählt, was gesagt und erzählt werden will. Britta ist sehr liebenswert, wenn sie für meinen Geschmack doch eine Spur zu sehr "unschuldig" (eher naiv) dargestellt wird. Aber in Anbetracht der Zielgruppe dieser Hefte und der Zeit, in der die Handlung spielt, ist das angemessen. Die beiden Neffen des Anwalts könnten unterschiedlicher nicht sein. Dennoch driften sie nicht in haltlose Klischees ab, was ich sehr begrüßt habe. Die Zeit, in der die Handlung spielt, kann ich leider nur erahnen. Kaum etwas gibt Aufschluß darüber z.B. die Villa könnte genausogut in der heutigen Zeit existieren. Nur die Anstellung als Gesellschafterin und die Soldaten verraten mehr. Die Sprache ist dieser Zeit angemessen und auch, wenn sie mir hin und wieder eher grenzwertig auffiel, so kriegte sie doch immer wieder die Kurve. Wahnsinn, wie der Autor oder die Autorin (Courths-Mahler ist ja bekanntlich schon eine Weile verschieden) das so hinbekommen hat. Die Liebesgeschichte von Britta und Herbert ist sicher schön, aber es ist die andere, die vergangene von Claudine und Brittas Vater, die Eindruck macht. Wer so etwas mag, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten.


Donnerstag, 29. Januar 2009

Hörbuch: Die Schattenkämpferin - Licia Troisi




Klappentext:
Die Halbelfe Nihal und der Magier Sennar haben die "Aufgetauchte Welt" vom Tyrannen befreit, nun kämpft die blutrünstige Gilde der Assassinen um seine Wiederauferstehung. Allein die furchtlose junge Kämpferin Dubhe vermag sie aufzuhalten. Wird sie ihre Welt vor dem Tyrannen bewahren?
Gekürzte Lesung. Länge ca. 430 Minuten (6 CD)


Gelesen von Anuk Ens:
Sie wurde in Freiburg geboren. Ihre Schauspielausbildung schloss sie 1988 an der staatlichen Hochschule in Stuttgart ab. Seitdem sie als Theater- und TV-Darstellerin sowie als Hörbuch- und Hörspielsprecherin tätig.


Mir hat das Hörbuch gut gefallen. Man muss nicht unbedingt die erste Trilogie kennen, um der Geschichte folgen zu können. Die Stimme Anuk Ens ist sehr angenehm, sie ist weich und nicht aufdringlich. Die Sprecherin hat auf jeden Fall ein Sprechtraining hinter sich, was man merkt. Sie hebt und senkt die Stimme in angemessenen Maße, so dass der Text flüssig gelesen wird und nicht einfach heruntergeleiert klingt. Beide Daumen hoch für den Namen "Dubhe" der natürlich sehr oft vorkommt und den die Sprecherin stets richtig und klingend spricht. (Was ich mir nicht einfach vorstelle.) Was mir allerdings nicht gefallen hat war, dass die Sprecherin zwischen den Kapiteln keine Pause macht. Gleich nach dem letzten Satz des vorhergehenden Kapitels folgt (ohne Pause) die Überschrift des nächsten und dann - wieder ohne Pause - der erste Satz des nachfolgenden Kapitels. Daran muss man sich erst gewöhnen und das hat mich doch etwas gestört.


Inhaltlich kann ich mich ebensowenig beschweren, mir gefiel, was ich hörte. Es war spannend, lustig, traurig und alles wurde durch Anuk Ens gut herübergebracht. An einigen Stellen dachte ich zwar, dass sich die Geschichte vielleicht eher für jüngere Leser/ Zuhörer eignet, aber das ist sicherlich auch so. Darum soll das auch nur erwähnt und kein Kritikpunkt sein. Da es eines meiner ersteren Hörbücher war (die ich auch bis zum Ende gehört habe), hatte ich zunächst einige Probleme um "reinzukommen", was aber nicht unbedingt an Text oder Sprecherin gelegen hat. Geräusche oder Musik gab es nicht, was ich angenehm fand. Mir kam es so vor, als befände sich die Sprecherin in einem großen, weiten Raum, ohne dass es hallte (was gestört hätte).


Die Verpackung hat mir nicht ganz so gut gefallen. Beispielsweise muss man sie erst einmal aufschlagen um überhaupt zu erfahren, wer Leser ist. Bei einem eingeschweißten Hörbuch ist das aber nicht immer möglich. Das Foto auf der Rückseite muss Anuk Ens darstellen, was aber nur schwer feststellbar ist, da es in sehr sehr kleiner Schrift unter dem Foto steht und daneben der Klappentext abgebildet ist. Klappt man das Hörbuch auf, sind darin alle wichtigen Informationen zu finden, auch nochmal eine ausführlichere Inhaltszusammenfassung. Sprecherin und Autorin werden kurz vorgestellt, man findet Infos zu Studio und Produktion.


Mittwoch, 28. Januar 2009

Fiebertraum - George R.R. Martin



Abner Marsh ist Dampfschiffkapitän und hat seine eigene Company. Leider hat er sehr viel Pech, eines seiner Schiffe explodierte, weitere wurden vom Packeis zerstört. Just in diesem Moment wendet sich der smarte Geschäftsmann York an ihn und bietet ihm eine Partnerschaft an. Das größte und beste Dampfschiff soll gebaut werden und Marsh soll dessen Kapitän sein. Trotz anfänglicher Zweifel stimmt er zu und die Fevre Dream schlägt alle Erwartungen. Aber dann kommen Marsh Zweifel an seinem Partner, da der nur Nachts aus der Kabine erscheint und zudem seltsamen Todesfällen folgt. Zunächst regt ihn damit nur auf, dass er niemandem die Schnelligkeit seines Schiffes zeigen kann. Doch dann stößt er auf Gedichte und zieht Parallelen. York kommt dahinter und erzählt ihm schließlich, dass er das ist, was die Menschen "Vampire" nennen, obwohl dieser Name nicht wirklich passt. Sie trinken Blut ja, einmal im Monat, wenn der Rote Durst kommt. Aber sie können niemanden zu einem von ihnen machen, sie sind ein Volk, das Nachtvolk. Und es gibt nur noch so wenige von ihnen. York glaubt, er könne der König, der Blutmeister der Blutmeister sein und sein Volk an den Ort der alten Legenden führen und es damit retten. Marsh glaubt ihm und will ihm helfen, denn York hat ein Gebräu erfunden, dass er statt des Blutes eines Menschen trinken und damit den Roten Durst besiegen kann. Aber sie haben nicht mit Dämon Julian und seinen Getreuen gerechnet. Er schlägt York und selbst Marsh kann wenig für ihn tun. Es vergehen viele Jahre bis...

Mir hat das Buch gut gefallen. Es ist Martin exzellent gelungen, die Zeit der Skalverei, der Dampfschiffe einzufangen. Ich konnte ihm jederzeit folgen, ich sah die Fevre Dream vor meinem geistigen Auge. Was mir am meisten gefallen hat war, dass es keine dieser Vampirgeschichten ist, wie sie derzeit leider den Markt regelrecht überfluten. Wer davon etwas lesen will, der sollte die Finger von diesem Buch lassen. Kein Sex, keine übertriebene Darstellung von Blut und Gewalt (obwohl davon natürlich auch einiges vorkommt). Vor allem auch die Charaktere sprechen an, weil sie so echt und wirklich scheinen. Sie agieren so, wie man es erwarten würde und ihrer Zeit angepasst, ohne dabei platt zu wirken. Sie verlieren auch mal, wo man einen Sieg erwarten würde... Gerade York hat genau das gewisse Etwas abbekommen, dass weibliche Leser anzieht. Das Ende wirkte ein wenig so auf mich, als sei Martin an seiner beabsichtigten Seitenzahl angekommen und verkürzte den Rest etwas, wenn auch dieses Ende passt und spannend gemacht ist.


Ankunft in der Schwarzen Stadt - Tamora Pierce




Dieses Buch beinhaltet eigentlich zwei. „Die Schwarze Stadt“ und „Im Bann der Göttin“. Alana und ihr Zwillingsbruder Thom sind die einzigen Kinder ihres Vaters, der nur einmal eine Entscheidung für beide trifft. Mädchen kommen von jeher in ein Kloster, wo sie die Magie erlernen und Jungen werden zum Ritter erzogen. Aber die Geschwister wollen sich dieser Tradition nicht fügen und tauschen die Rollen. Alan von Trebond reist also nach Corus ans Schloss um Ritter, zuerst allerdings Page, zu werden. Alanna behauptet sich gut gegen die anderen Jungen und findet neue Freunde unter ihnen. Z.B. den „König der Diebe“ und stellt ihn Jonathan, dem wahren Thronerben des Landes vor. Eine Krankheit trifft die Stadt unvorbereitet. Als auch Jonathan erkrank, muss sie sich ihrer Angst vor der eigenen Magie stellen, um ihn zu retten. Im Zweiten Buch ist sie schon älter und sie begegnet der Guten Göttin. Sie wird erwachsen, muss ihren Körper verstecken und ihre Gefühle als Mädchen ebenso. Georg, der Dieb gesteht ihr seine Liebe, aber Alanna mag Jonathan. Es gibt Krieg, Intrigen und einen schönen Endkampf zwischen Alanna und Roger.

Für Fantasy-Einsteiger ist dieses Buch wie gemacht; für kleine und große Fans wird eine Menge geboten. Wirklich hundertprozentig in die Tiefe geht das Buch nicht, aber es entwickelt einen ganz eigenen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Alanna ist sehr syphatisch, aber nicht nur sie muss gegen die festgefahrenen Geschlechterrollen ankämpfen. Sie behauptet sich erstaunlich gut, auch wenn sie natürlich nicht zum Überhelden wird. Als die erste Liebesgeschichte dazukommt, wird es auch im emotionalen Bereich spannend. Beide Männer in ihrem Leben sind liebenswert und die Zwickmühlen, in denen sie sich befindet, macht ein Zusammenleben nicht einfacher. Spät findet sie zu sich und ihrem Geschlecht, aber bleibt dabei immer sie selbst. Gut recherchiert ist das Buch ebenfalls, mittelalterliche Strukturen finden sich überall und auch die Ausbildung zum Ritter ist glaubhaft. Alles in allem handelt es sich hier um ein wirklich empfehlenswertes Buch, das viel Spaß beim lesen macht.



Dienstag, 27. Januar 2009

Interview mit Kirsten Schützhofer




Möchten Sie sich einmal kurz vorstellen? Was für einen Menschen sollte man vor Augen haben, wenn man den Namen „Kirsten Schützhofer“ hört?
Einen wissbegierigen, empathischen Menschen mit eher trockenem Humor.



Mit welchem Buch sind Sie bekannt geworden? Könnten Sie es vielleicht in ein paar kurzen Sätzen schildern?
Mein Debütroman war "Die Tochter des Advokaten". Dieser spielt im späten 18. Jahrhundert in Frankreich, hauptsächlich in Paris zur Zeit der Französischen Revolution und schildert das Schicksal von fünf jungen Menschen. Es geht um Freundschaft und deren Verlust, um Rache und Verrat. Mir war es dabei besonders wichtig, die Ereignisse so zu schildern, wie sie die Menschen damals unmittelbar erlebt haben könnten. Ich möchte, dass die Leser eine Vorstellung der damaligen Zeit bekommen, ganz, als ob sie selbst dabei gewesen wären.



Wie sind Sie zum Genre „Historischer Roman“ gekommen? Was glauben Sie macht dieses Genre aus? Könnten Sie sich vorstellen, auch in einem anderen Genre zu schreiben?
Zum historischen Roman bin ich gekommen, weil ich selbst sehr gerne historische Romane lese und mich natürlich auch für Geschichte interessiere. Ich würde gerne mal einen Psychothriller oder einen Krimi schreiben, dazu hätte ich tatsächlich konkrete Ideen. In gewisser Weise gibt es auch eine Verbindung zum historischen Roman: beide Genres ermöglichen es, Menschen in Ausnahmesituationen zu zeigen.



Wie lange haben Sie insgesamt an "Die Tochter des Advokaten" geschrieben? Wie viel Zeit haben Sie auf die Vorbereitung gelegt? Wie viele Notizen sind entstanden?
Entstanden ist der Roman zwischen 1999 und 2004. Als reine Schreibzeit würde ich etwa 1,5 Jahre veranschlagen. Die Vorbereitung hatte sicherlich schon mit meiner Examensarbeit begonnen, in deren Rahmen ich mich intensiv mit dem 18. Jahrhundert beschäftigt habe. Wie viele Notizen entstanden sind, ist schwer zu sagen. Sowohl von meinem ersten, als auch von meinem zweiten Roman sind heute jeweils etwa zwei Regalbretter Ordner mit Recherchematerial, Notizen, Zeichnungen und Fotos geblieben.



Wie würden Sie sich den Umstand erklären, dass die meisten Protagonisten in historischen Romanen weiblich sind?
Zum Teil, vermute ich mal, ist das eine Marketingsache. Es hat viele erfolgreiche Bücher mit weiblichen Protagonisten gegeben. Was mich angeht, so habe ich immer mehrere Hauptfiguren, sowohl männliche als auch weibliche, deren Geschichten ich erzähle. Mein erster Roman hat zwar den Titel „Die Tochter des Advokaten“, er könnte aber genau so gut „Der Herr von Montfort“ heißen.



Was möchten Sie Ihren größten Kritikern sagen?
Behandelt jeden mit Höflichkeit und Respekt.



Wer sind Ihre fünf Lieblingsautoren? Finden sich darunter vielleicht auch Vorbilder? Welches Buch möchten Sie nie und unter keinen Umständen geschenkt bekommen?
Meine Lieblingsautoren wechseln immer mal wieder, aber unter den historischen lese ich u.a. gerne Lion Feuchtwanger, Julia Kröhn und Charlotte Lyne (letztere sind neu auf meiner Liste). Im Krimi- / Thrillerbereich hat es mir gerade Peter James angetan. Vorbilder habe ich keine, nichtsdestotrotz hat meine Entwicklung als Autorin sicherlich mit meinem Lesestoff zu tun.



Das gesamte Interview gibt es auf
www.verlorene-werke.de zu lesen.

Der Ritter und die stolze Sklavin - Paula Quinn




Schon mit ihrem ersten Roman "Der Ritter vom See" (ebenfalls bei Cora erschienen) konnte die Autorin überzeugen. Bei diesem Roman ist das nicht anders. Lord Dante Risande ist es gewohnt, dass keine Frau ihm widerstehen kann. Bis er auf der Burg von Lord Bryce Dermott, den er des Hochverrats verdächtigt, der schönen Sklavin Gianelle begegnet. Sie weist ihn mehrfach zurück, denn sie will nur eines: frei sein. Dass er sie von der Flucht abhält, verzeiht sie ihm nicht und dann wird Lord Bryce ermordet. Sein Bruder Edgar, der sie schon lange in seinem Bett sehen will, beschuldigt sie der Tat. Als Bevollmächtigter des Königs von England nimmt Dante sich dem Mordfall an und kauft Gianelle, um sie und ihre Freundin in Sicherheit auf seine Burg zu bringen. Doch er kann nicht sicher sein, ob seine kleine, blonde Fee, die ihm stets so energisch die Stirn bietet, nicht doch eine Mörderin ist. Gianelle hingegen spürt ihr Verlangen nach dem silberäugigen, geschmeidigen Mann, der sie an einen Wolf erinnert, wachsen. Aber sie wurde schon oft im Leben von Vertrauten verlassen und hält an ihrem ursprünglichen Wunsch nach Freiheit fest.



Bei „Der Ritter und die stolze Sklavin“ handelt es sich um den zweiten Teil einer Trilogie. Im ersten Teil fanden Dantes Bruder Brand und seine Frau Brynn zusammen. Diesen beiden und ihren Kindern begegnet man übrigens auch hier. Paula Quinn schafft es erneut, ein sehr sinnliches Buch vorzulegen, das weder Liebe, noch erotische Momente vermissen lässt. Gianelle ist eine sehr couragierte junge Frau mit viel Temperament und einem festen Willen. Nicht nur Dantes Blut wird von ihr in Wallung gebracht. Er selbst übrigens ist ok, sieht gut aus, bricht aber sonst nicht aus seiner Rolle des begehrenswerten Helden aus. Auch für eine spannende Handlung neben der Liebesgeschichte ist gesorgt, denn mehr als ein Mann begehrt Gianelle, ungeklärte Verbrechen müssen gesühnt werden und ein Hochverräter läuft durchs Land. Das England des Jahres 1071, ist sehr ansprechend gezeichnet und wieder wird es das Wasser sein, das Erotik und Emotionen begleitet. Denn Quinn scheint Wasserfälle, Bäche und Co. sehr zu mögen, flechtet sie sie doch stets in ihre Romane mit ein. Alles in allem ist dieser Roman ein wirklich hervorragendes Buch, das in keinem Nachschränkchen fehlen sollte.


Die Maske der Leidenschaft - Daria Charon




Viola Brugger ist die ungeliebte Tochter eines Kaufmannes und eines ihrer Beine ist kürzer als das andere. Der Vater hat ein zweites Mal geheiratet und diese Tochter liebt er. Viola ist herzensgut und liebt Samara, neidet ihr nichts. Alle 25 Jahre hat sich die Stadt auf einen Handel mit den Wolfsmännern eingelassen: Eine Jungfrau muss her und wird diesen übergeben. Was mit den jungen Fauen geschieht, weiß niemand. Da die Hebamme zum Zeitpunkt der Zeugung allen Frauen geraten hat, keine Kinder zu bekommen, gibt es nur zwei junge Frauen, auf die der Handel anwendbar ist. Viola und Samara. Das Dumme ist nur, dass die Wolfsmänner diesmal drei Jungfrauen haben wollen. Da trifft es sich sehr gut, dass drei Huren im Turm eingesperrt sind und man diese den Herren schicken kann. Die merken natürlich was los ist und schicken ihre Gefolgsmänner, die prompt auf Samaras Hochzeit platzen. Um ihre Schwester zu schützen, geht Viola mit. Auf der Burg lernt sie dann Kyrian kennen, der seit seiner Kindheit eine Wolfsmaske trägt und diese niemals abnimmt. Viola gefällt ihm, auch wenn sie das lange nicht bemerkt. Auch weiß sie nicht, dass sie eigentlich nur dazu da ist, den Fluch, der auf der Familie der Wolfsmänner liegt, zu brechen. Ich würde gern sagen, dass jetzt ein erotisches Verwirrspiel beginnt - die drei Huren sind auch noch da - aber so recht geschieht eigentlich nichts weiter.


Gekauft habe ich mir das Buch aufgrund des Preises, ein wenig des Covers wegen, aber vor allem wegen Klappentext und einigen guten Rezensionen. Der Plot und die Grundidee sind wirklich gut, hätte man das ausgebaut, wäre die Geschichte großartig geworden. Aber es gibt hier leider nichts als platte Charaktere, eine langweilige Grundstimmung, viel zu viel Abschweifungen vom roten Faden, viel zu kurzen erotischen Momenten, die nicht erotisch sind und Klischees wo man hinsieht. Angebracht wären einige Highlights mehr, die Spannung hineingebracht hätten. Ebenso soll hier eine Liebe aufgebaut werden, wovon der Leser aber nichts merkt. Ungeduldig blättert der Leser die letzten Seiten durch, ohne wirklich zu erfassen, was geschrieben steht. Oh, er ist gar nicht hässlich? Der Fluch wird gebrochen? *gähn


Montag, 26. Januar 2009

Dir gehört mein Herz - für immer - Sharon Sobel





Emily Clarkson wird von ihrer recht exzentrischen Mutter gebeten, an ihrer statt ein paar Arbeiterkinder zu unterrichten. In Glenfell, weitab ihres behaglichen Londons, trifft sie auf den Fabrikbesitzer Daniel Lennox. Der ebenso attraktive, wie verschlossene Mann übt eine bisher unbekannte Fanzination auf Emily aus. Doch ihre Mutter ist die Tochter eines Duke, auch wenn sie einst einen einfachen Landarzt geheiratet hat. Und Mr. Lennox ist nur ein Fabrikbesitzer; die Klassenunterschiede graben eine tiefe Kluft zwischen ihnen. Sein Vetter Peter allerdings ist ein Enkel des Duke of Glendennon und umwirbt sie hoheitsvoll. Er und sein Cousin hassen sich und überhaupt scheint die kleine Ortschaft und alles, was mit Daniel zu tun hat, von einem großen Geheimnis umgeben zu sein. Nach und nach verliert Emily ihre Standesdünkel und verliebt sich in Daniel. Doch sie ist nun nicht mehr sicher in Glenfell, irgendjeman will Daniels und ihren Tod.


Sharon Sobel hat einen wirklich lesenswerten kleinen Roman vorgelegt. Beide Hauptcharaktere sind liebevoll gestaltet und hinreichend einzigartig. Ihre kleinen neckischen Dialoge zu verfolgen ist ein großer Spaß. Einzig ihren Liebesszenen scheint etwas zu fehlen, das Knistern und die Spannung vor allem. Aber auch die Erotik, wenngleich hier nur Küsse und Streicheleinheiten ausgetauscht werden. Das Geheimnis zu erraten fällt nicht sonderlich schwer, auch wenn Frau Sobel nur spärliche Hinweise in die Handlung einfließen lässt. Erfreulich im übrigen, dass diese nicht allzu vorhersehbar ist - bis auf ein winziges Detail, dass im Genre nun einmal so beabsichtigt ist. Die Kinder, die Emily betreuen soll sind nicht nur eine kleine graue Masse, auch sie wurden genauestens und individuell gezeichnet. Hier kann es allerdings zu kleineren Verwirrungen kommen, da immerhin vier der Jungen ebenfalls Daniel heißen. Der Autorin ist es gelungen, sehr unterhaltsam und fröhlich eine wirklich spannungsreiche und emotionale Geschichte zu präsentieren.


Heute und ein Leben lang - Allison Winn Scotch





Natalie ist eine junge Frau mit bester Ausbildung und sehr gut bezahltem Job. Sie träumt davon eines Tages Präsidentin der USA zu sein und steckt alle Energie, über die sie verfügt, in ihre Arbeit. Dann jedoch die schreckliche Diagnose: Brustkrebs. Ihr Freund, mit dem sie recht wenig Zeit verbracht hat, macht augenblicklich Schluss. Man möchte ihn gern für ein A... halten, aber zum Ende hin kann man ihm nicht mehr wirklich böse sein. Natalie versucht zunächst mit dem Kopf voran durch diese Krankheitswand zu rennen, bis sie erkennen muss, dass auch sie Grenzen hat. Es kommt zu einigen recht witzigen Vorfällen, bei denen man durchaus auch mitgrinst. Zur Seite stehen ihr ihre beste Freundin, ihre Eltern und Zach, der Gynäkologe ist und zufällig der Ex ihrer zweitbesten Freundin, die ihn gern zurück haben möchte. Und später auch der Hund, den sie sich anschafft und der ihr sogar das Leben retten wird. Plötzlich mit sehr viel Zeit geschlagen, gehen Natalie viele Gedanken durch den Kopf. Sie nimmt Kontakt zu ihren Exfreunden auf und versucht ebenfalls das Verhältnis zu ihrer Mutter geradezubiegen. Zach und sie kommen sich näher, obwohl Jake, Nats Ex und ein großer Rockstar, wieder in ihrem Leben erscheint. Es wird kompliziert, als keiner so richtig weiß, was er tun soll: aus Sentimentalität zusammen bleiben? Sich trennen? Natalie hat aber eine besondere Sicht aufs Leben bekommen und handelt so, wie sie es für sich als richtig sieht.


Scotch hat gut recherchiert, die Krankheit wird sehr realistisch mit allen Höhen und Tiefen dargestellt, sogar mit Momenten, die eventuell weniger bekannt sind. Joints zu rauchen, weil sie den Appetit anregen zum Beispiel. Die Protagonistin macht einiges durch: Die Schmerzen und das Erbrechen während der Chemo, den Haarverlust und den Kauf einer Perücke, Verlust beider Brüste und Schaffung zwei neuer... daneben die Tatsache, dass man sie nach fünf Jahren aus ihrem Job drängt, die quälende Frage, ob sie vielleicht Beziehungsgestört ist, warum ihre Mutter ihr so sehr gleicht usw. Bei all dem bleibt die Autorin aber recht an der Oberfläche hängen, der lockere Stil wird nicht unterbrochen. Gelesen habe ich den Roman in einem Rutsch, man grinst, man wird ernst, man hofft und bangt. Dass Natalie gegen den Krebs gewinnen wird, ist schon am Anfang des Buches klar. Aber welcher ihrer Verehrer wird das Rennen machen? Wird sie die Beziehung zu ihrer besten Freundin nach dem großen Streit kitten können? Und was ist mit ihrem Job, nachdem sie der Senatorin mal so richtig die Meinung gegeigt hat? Natalie ist nur auf den ersten Blick eine Vorzeigefrau. Sie hat ihre Fehler und davon eine ganze Menge. Dennoch bleibt sie symphatisch und man drückt ihr die Daumen. Mir war die Krankheit trotz allem zu sehr Bilderbuch, es lief genauso ab, wie es in einem Medizinbuch unter "so solls im Idealfall sein" stehen würde. Die einzelnen Kapitel sind in Monatsphasen eingeteilt und in einem knappen halben Jahr hat Natalie es überstanden. Trotzdem: es liest sich reibungslos und die Geschichte entwickelt einen ganz eigenen Charme. Wer öfter zu Liebesromanen greift, wird sich über dieses Buch freuen.


Lila Black - Justina Robson



Im Jahr 2015 gab es auf der Erde eine große Katastrophe. Eine Explosion in Texas hat das Gewebe des Universums zerrissen und andere Sphären geöffnet. Magische, denn sie werden von Elfen, Dämonen und anderen fremdartigen Wesen bevölkert. Die Menschen haben sich gut damit organisiert. Lila Black hat eine Vergangenheit. Die sie vergessen muss, denn für ihre Familie gilt sie als verschollen und tot in der Sphäre der Elfen. Doch sie lebt und man rettete ihr Leben, indem man sie zur halben Maschine machte. Eine Kampfmaschine. In diesem Roman erhält sie den Auftrag, einen Rockstar (Zal) zu schützen, der elfischer Herkunft ist. Sie sträubt sich, nimmt den Auftrag dann jedoch an. Seine Feinde sind zahlreich und oft muss sie ihm das Leben retten. Aber was sind das für Gefühle, die er in ihr auslöst? Das herauszubekommen ist die eigentliche Herausforderung für sie. Im Zuge eines Angriffs muss sie erneut in die Sphäre der Elfen eintreten, in der sie einst verwundet worden ist, da Zal dorthin entführt wurde. Er ist nämlich ein kleiner Rebell, der einiges in seiner Heimatwelt ändern möchte und sogar einen dämonischen Namen angenommen hat.

Meine Motivation das Buch in die Hand zu nehmen, war das Cover. Es zu kaufen Preis und Klappentext. Eine Mischung aus Fantasy und Science-Fiction? Geht so was überhaupt? Mehrere Sphären, aha. Elfen, Dämonen, anderes. Klingt gut. Was mir nicht gefiel war dieses Lara Croft Ding, gepaart mit den Worten: „Eine starke Frau, eine echte Heldin. Zur Hälfte wunderschöne Frau, zur Hälfte stählerne Kampfmaschine.“ Was sollte das denn bitte für eine Männerfantasie sein? Und doch: Von einer Frau geschrieben. Also kaufte ich das Buch. Mir gefiel es anfangs sehr gut, aber je weiter ich las, desto enttäuschter war ich. Die innere Zerrissenheit kann ich gut nachvollziehen, aber die meisten ihrer Handlungen nicht. Oft wirkte es auf mich, als wolle die Autorin jetzt etwas „Abwechslung“ in der zähen Handlung schaffen, denn gerade, als Lila in die elfische Sphäre vordringt, zieht sich der Inhalt doch sehr stark in die Länge und driftet schon beinahe ins langweilige ab. Was tun? Ja, klar, mit irgendeinem Typ schlafen lassen. Super. Die Idee des Buches überzeugt, ist sicher etwas Neues und sorgt obendrein für Abwechslung. Die Umsetzung allerdings lässt doch stark zu wünschen übrig.


Sonntag, 25. Januar 2009

Lesen - Flucht vor der Wirklichkeit?



Es ist noch gar nicht allzu lange her, da sagte mir eine ehemalige Chefin am Telefon, sie lese nicht viel. Nun, das ist ihre Sache. Auf meine Antwort, dass dies bei mir anders sei, sah ich sie vor meinen geistigen Augen den Kopf schütteln. „Lesen ist nur eine Flucht vor der Wirklichkeit“, sagte sie mir. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur solche Menschen viel lesen, die nur wenig Selbstbewusstsein entwickelt haben und sich ihre Bestätigung über die Abenteuer und Erlebnisse anderer holen.“ Wir sprachen noch über einige andere Dinge und da war ich dann doch sehr froh drüber. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gewusst, was ich einer Frau, die im Jahr höchstens drei Bücher liest, an dieser Stelle sagen sollte. Natürlich ist sie alleinerziehend und hat zwei Kinder, aber ich kenne eine Menge Frauen, denen es genauso geht und die völlig anderer Ansicht sind.

Ich für meinen Teil lese sehr gern und ich kann eigentlich nicht behaupten, dass ich der Wirklichkeit entfliehen will, jedenfalls nicht für immer. Gern schaue ich mir an, wie der Auserwählte die Welt rettet, wie das Liebespaar zusammenfindet, wie der Mörder gefasst, der Drachen erschlagen, der Zauberer bekehrt oder der Einsame von seinen Gefühlen übermannt wird. Dabei bleibt der Fernseher im übrigen aus. Und ich überlege seit Tagen, ob ich ihn nicht gänzlich abschaffen sollte. Was gibt mir die Flimmerkiste, was ein Buch mir nicht geben könnte? Beim Lesen selbst blende ich gern mal den Alltag aus, insofern mag sie Recht behalten. Aber mir ist unterschwellig immer klar, dass ich zwei Jobs, (kranke) Familienmitglieder, einen eigenen Haushalt und (wahrscheinlich zu) überfliegende Pläne für meine Zukunft habe.

Ich will den Spieß jetzt keinesfalls umdrehen, aber was, liebe Chefin, ist ein Leben ohne Phantasie? Wie soll ich mir das vorstellen? Und *grusel muss ich das überhaupt? Was macht einen Menschen aus, der sich beinahe nur in sich selbst vergräbt, sich der Arbeit und der Familie widmet, sonst aber nicht viele Interessen oder Hobby (also sich selbst!) pflegt? Ich wage es nicht, mir das vorzustellen. Einsamkeit ist eine starke Hürde, aber auch hier kann die Lektüre bestimmter Themen weiterhelfen. Außerdem gibt es inzwischen, nach englischem Vorbild, Leserunden, bei denen man oft sehr nette Menschen mit dem gleichen Hobby treffen kann. Wenn wir jetzt noch einen Schritt weitergehen würde, dann müsste ich fragen: Was ist mit jenen Menschen, die nicht nur lesen, sondern auch schreiben? Davon aber, weiß sie Gott sei Dank nichts und ich werde wohlweislich meinen Mund halten. Das einzige, was ich an der ganzen Sache wirklich traurig finde ist, dass sie mit Kindern arbeitet.



Das Licht des Nordens - Jennifer Donnelly





Mattie (Mathilde) Gokey ist ein sechzehnjähriges Mädchen, das in der absoluten Wildnis des Nordens in North Woods in Neuengland lebt. Ihre Mutter ist vor nicht allzu langer Zeit gestorben und sie muss sich als Älteste um ihre Geschwister kümmern. Mattie liebt das lesen und sie liebt Bücher. Sie schreibt auch und das so gut, dass sie schon manches Mal einen Preis gewonnen hat. Ihr Ziel ist es, aufs College zu gehen und eine große Schriftstellerin zu werden. Der Vater ist im Kummer um die Mutter hartherzig geworden und erlaubt Mattie nicht, zu gehen. Hin und her gerissen, auch wegen dem letzten Versprechen, das sie der Mutter gegeben hat, lebt Mattie in den Alltag hinein und begräbt ihren Traum immer ein wenig mehr. Sie hat kein Geld, die Erlaubnis ebenfalls nicht und ihre Geschwister will sie auch nicht allein lassen. Durch den Tod des Esels (ein neuer kostet viel Geld) erlaubt ihr Vater schließlich doch, dass sie während des Sommers im eleganten Glenmore Hotel arbeitet. Dort lernt sie flüchtig die junge Grace Brown kennen, die ihr einige Liebesbriefe übergibt und ihr das Versprechen abnimmt, diese zu verbrennen. Noch am gleichen Tag wird die Leiche Graces ins Hotel gebracht. Es heißt zunächst, sie sei ertrunken, doch die große Wunde auf ihrer Stirn ist unübersehbar. Mattie versucht anfangs, dem letzten Wunsch des Mädchens nachzukommen, als sich ihr aber keine Gelegenheit bietet, liest sie die Briefe und bekommt schon bald einen schlimmen Verdacht.


"Das Licht des Nordens" ist ein Buch, das lange nachwirkt. Unglaublich viel transportieren die einzelnen Worte, Sätze und Kapitel, als hätte Donnelly eine eigene Sprache konstruiert. Dieses Buch ist anders. Es ist wunderschön, auch wenn die Dinge, von denen erzählt wird, alles andere sind. Alles empfand ich als echt, die Nachbarn und deren Beziehung zueinander, die Gefühle innerhalb der Familie, das Verhältnis zu Royal Loomis. Ich konnte sie "sehen", schmecken, fühlen und das passiert mir nicht oft. Die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Jahr 1906 durch die Briefe eines Mordopfers ihr eigenes Leben überdenkt, ist auf sehr eindringliche, aber auch feinsinnige Weise geschrieben. Es wechseln sich Kapitel des Jetzt und Kapitel des Früher ab, bauen aufeinander auf und verstricken sich auch zuweilen. Stück für Stück taucht der Leser in das Leben Matties ein, die viel zu klug für ihre Zeit und Umgebung ist, aber zu viel Angst hat, sich dies einzugestehen und ihren eigenen Weg zu gehen. Volle Punktzahl, ein absolutes Muss für jeden, der gern richtig gute Literatur liest!


Firmin - Ein Rattenleben - Sam Savage





Du bleibst eben immer was du bist, vor allem für andere. Einmal Ratte, immer Ratte; welch Ironie für Firmin, hat er doch sein Leben lang versucht, jemand anderer zu sein. In seinen Träumen war er stets einer der Helden aus Buch oder Film, zwei Medien, die er sehr verehrt hat. So verehrt wie die erste und zweite Liebe seines Lebens. Nun, Norman hat versucht ihn umzubringen und Jerry starb, ehe Firmin sich entscheiden konnte, ob auch er nur ein Trugbild, ein Ideal, das es so nie gegeben hat, war. Die Ratte Firmin wird in einem Buchladen geboren und merkt irgendwann, dass sie die Seiten der Bücher nicht nur anfressen, sondern auch lesen kann. Sie haben alle einen eigenen Geschmack: süß, bitter, sauer, bittersüß, ranzig, salzig, scharf. (Geht es uns Lesern nicht auch oft so, dass wir Bücher als schmackhaft empfinden? Oder sie uns zu schwer im Magen liegen?) Er weiß, rein theoretisch steht ihm die Welt offen, aber praktisch kommt er nie aus der Buchhandlung und ihren weiteren Etagen hinaus. Er lebt in der Welt und er versteht sie weiß Gott besser, als ein Vielgereister, trotzdem bleibt sie ihm stets Geheimnis, das es zu ergründen gilt.


Das ist das erste Buch von Sam Savage, einem Mann fortgeschrittenen Alters, der in Philosophie promovierte, eine zeitlang unterrichtete, aber meist in Berufen arbeitete, die damit nicht viel zu tun hatten. Die Ratte Firmin ist absolut liebeswert und wüsste man es nicht, so würde man sie für einen Menschen halten. Die Zeit, in der das Geschehen spielt und die hervorragend recherchiert (und erlebt?) wurde, könnte nicht besser dargestellt werden. Die Emotionen aller Figuren übertragen sich mit Leichtigkeit auf den Leser und schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Firmin ist in seiner Rolle als gebildete Ratte glaubhaft und wirkt nicht ein einziges Mal aufgesetzt. Ja, nicht einmal wirklich fiktiv. Das meiste kann entweder als real oder als Sinnbild verstanden werden, es würde sich absolut gleich bleiben. Ich für meinen Teil hoffe sehr, dass wir von Sam Savage noch viel mehr zu lesen bekommen.


Die Totenwäscherin - Helga Hegewisch





Anders als Im Klappentext dargestellt, geht es hier nicht um eine Frau, sondern um eine ganze Reihe von Frauen. Das Buch erzählt, wie die Fertigkeit, die Toten schöner zu machen, immer von Mutter auf Tochter weitervererbt wird, wie ihre jeweiligen Leben verlaufen. Die Familie der Totenwäscherinnen und der des Grafensohns Friedrich-Carl wird immer in einer seltsamen und schicksalhaften Verbindung stehen, sich sogar vermischen.
Lena, Barbara, Magdalena, Kathrine, Antonia erleben ihre ganz eigenen Biografien bis zur Zeit der Wende in Deutschland.


Ein unglaublich gutes Buch, das nichts beschönigt oder verschweigt. Hervorragend recherchiert, jede Frau, jede Figur des Buches ist absolut lebensecht und in ihrer Zeit verwurzelt. Man glaubt, sie hätten wirklich gelebt ... und vielleicht haben sie das auch. Ein Buch, dass ich an nur zwei Tagen ausgelesen habe und das absolut und wirklich empfehlenswert ist!


Samstag, 24. Januar 2009

Hochzeitsglocken für Lady Lucy - Julia Quinn





Lucinda Abernathy ist nicht so schön wie ihre beste Freundin Hermione. Nicht so selbstsicher und überhaupt alles nicht ganz so wie sie. Doch sie liebt sie und möchte darum gern vermeiden, dass diese eine unstandesgemäße Hochzeit eingeht, nur weil sie glaubt verliebt zu sein. Da kommt Gregory Bridgerton gerade recht, der von Hermiones Schönheit genauso bezaubert ist, wie alle anderen. Und: er glaubt, wie nur wenige Männer seiner Zeit, an die große wahre Liebe. Hermione soll es sein! Doch deren Herz gehört einem anderen und so ist es an Lucy, ihn darin zu bestärken und ihm vor allem auch Tips zu geben, wie er ihre beste Freundin für sich einnehmen kann. Doch bald stellt die ordnungsliebende Lucy fest, dass sie sich selbst in Gregory verliebt hat. Leider ist sie seit Kindertagen verlobt und nun wird es ernst, weil ihr Onkel eine alte Schuld mit der Familie ihres Zukünftigen zu begleichen hat. Geschieht das nicht, wird die gesamte Familie ins Unglück gestürzt. Ein Kuss verändert alles und doch nichts. Beide wissen nun, dass sie einander lieben und Gregory kämpft noch vor dem Traualtar, vor dem Lucy mit einem anderen steht, um ihre gemeinsame Zukunft. Aber es ist zu spät. Oder doch nicht?


Es handelt sich hier um den letzten Roman der Bridgerton-Reihe. Endlich sind alle unter der Haube. Ein bisschen Zeit braucht es, ehe man in der Schreibe von Julia Quinn drin ist, aber hat man sich daran gewöhnt, liest sich der Rest locker und schnell weg. Ein sehr offener, beschwingter Ton erwartet den Leser, der nur in den Hintergrund tritt, wenn die Spannung steigt. Und davon gibt es gerade am Ende jede Menge! Julia Quinns Stärke sind die Dialoge, egal zwischen wem. Kurzweilig und unterhaltsam präsentiert sie darin den Charakter eines Menschen, wie es ihn auch im realen Leben geben könnte. Gerade die Schlagabtäusche zwischen Lucy und Gregory oder auch zwischen den Geschwistern machen dem Leser viel Spaß. Das einzige Manko des Romans, in meinen Augen, die überaus vielen "Ich liebe dich." 's. Die hätten ruhig etwas dezenter und vor allem in ihrer Anzahl geringer gesetzt werden können, denn ein wenig aufdringlich wirken sie am Ende dann doch. Trotzdem werden alle Fans der Cora Romane und die von Julia Quinn sowieso die Geschichte gern lesen, denn sie ist beschwingt und heiter, aber auch spannend bis zum Schluß.


Mein schottischer Rebell - Sue Ellen Welfonder




Ausgestoßen und zu Unrecht des Mordes an ihrem Geliebten beschuldigt, kann Lady Mariota Macnicol zusammen mit ihrer Dienerin und Freundin nur in die längst verlassene Burg Cuidrach fliehen. Schon bald nach ihrer Ankunft erscheint jedoch der neue Laird Kenneth McKenzie, um das alte Gemäuer in Besitz zu nehmen. Sie lügt ihn zunächst an, unwissend darüber, dass ihm die Burg zuerkannt worden ist. Er ist alles andere als erfreut, eine Frau vorzufinden, die ihn mit ihren Reizen in ihren Bann zieht. Sie ist sein Typ, stolz, schön und klug. In der Vergangenheit schwer getäuscht und gedemütigt, hat er aber allen Frauen abgeschworen. Auch Mariota hat ernüchtert der Liebe für immer entsagt. Und da sind auch noch die Häscher der goldenen Laute, die diese im Besitz Mariotas vermuten und beiden unerbittlich hinterher jagen.

Die Geschichte um Mariota und Kenneth enthält auf den ersten Blick alles, was man von einem Highlandroman erwartet. Doch beim zweiten Hinsehen wird klar, dass „Mein schottischer Rebell“ seine Schwächen hat. Die Liebe, die sich zwischen beiden entwickelt, wirkt in Anbetracht ihrer Einstellung dem anderen Geschlecht gegenüber zu hastig und übereilt. Die Handlung ist leider ziemlich vorhersehbar und einige Nebenstränge werden nicht zufriedenstellend aufgelöst. Die Hauptfiguren indes sind sympathisch und liebenswert, wenngleich sich ihre Liebesszenen unnötig stark in die Länge ziehen. Womit Sue-Ellen Welfonder punkten kann, sind die Nebenfiguren und ihre Erlebnisse. So ist Jamie in seinem jugendlichen Ungestüm sehr begehrenswert und bringt ein Augenzwinkern in das Geschehen.
Dieser neue Band um den McKenzie-Clan vervollständigt den Familienstammbaum, bringt ansonsten aber leider nichts Neues. Man verpasst also nichts, wenn man den Roman nicht gelesen hat, zumal er schon arg konstruiert wirkt und wahrscheinlich nur als eine Art Lückenfüller gedacht ist. Man begegnet gerade am Ende einigen Personen früherer Bücher was nahe legt, diese auch gelesen zu haben. Als Unwissender hat man das Gefühl, alle anderen wissen etwas, was einem selbst verborgen ist. Für Fans sicher gut (schlecht ist er eben auch nicht), aber die anderen greifen vielleicht lieber anderswo zu.


Freitag, 23. Januar 2009

Im Bann des Piraten - Elaine LeClaire




Eine Geschichte, die leider nicht halten kann, was der Klappentext verspricht.

Lady Rosalind und ihre Getreuen werden auf der Überfahrt von Jamaika von Piraten überfallen. Es ist niemand geringerer als der berüchtigte französische Piratenkapitän Alexandre "Black Angel" oder "L'Ange Noir". Sie und ihre Dienerin springen von Bord, können aber eingefangen werden. Um alle zu retten, bietet Rosalind dem Pirat ihren Körper an und er geht tatsächlich darauf ein. Schließlich wiederholt sich endlos ein Spiel aus ich-will und ich-kann-aber nicht. Rosalind ist nicht auf den Mund gefallen und bietet Alexandre immer wieder Paroli (anfangs witzig und nett, dann aber langweilig und platt). Dadurch gewinnt sie immer mehr seine Aufmerksamkeit und sein Herz. Doch sie ist auch die Verlobte seines ärgsten Feindes und er schmiedet den Plan, sie für sich einzunehmen und schließlich an diesen Feind (beschädigt an Seele und Körper) zurückzuschicken.

Der Name der Autorin ist ein Pseudonym (wer heißt auch schon so?) und sie legt hier ihren ersten Roman vor, der ihr leider gründlich misslungen ist. Ich mochte beide Hauptcharaktere überhaupt nicht, vor allem Rosalind ist einfach unerträglich. Weinerlich, mit dem Anschein aus Stolz, will ich, will ich nicht ... sich ewig wiederholende Plattitüden, vor allem mit der kleinen Beatrice (uh, aber sie ist so krank...). Gegen Ende des Buches begegnet sie niedergestellten Personen (da verheimlicht sie aber immer noch, dass sie eine Lady ist) und verkehrt einfach unerträglich mit diesen, lässt sogar eine auspeitschen. Die zahlreichen erotischen Momente, vor allem auf dem Schiff, überzeugen kaum und langweilen teilweise sogar. Ich musste mich wirklich zwingen, das Buch zuende zu lesen und kann daher auch keine Empfehlung aussprechen, außer dafür, die Finger davon zu lassen.


Kennen wir uns nicht? - Sophie Kinsella



Lexie Smart ist 24, trägt nicht ohne Grund den Spitznamen "Frettchen", arbeitet in einem Großraumbüro, hat drei beste Freundinnen, einen Lover mit dem Namen "Looser Dave" und ist mit der Gesamtsituation unzufrieden. Eines Abends ist sie mit ihren Freundinnen auf Kneipentour, als sie von ihrem Freund versetzt wird und auf der Jagd nach einem Taxi stürzt und das Bewußtsein verliert. Als sie erwacht, liegt sie in einem Krankenhaus, hat zehn Kilo weniger auf den Rippen, gerade Zähne, manikürte Fingernägel und eine teuere Designerhandtasche. Die Ärzte wollen ihr glauben machen, dass drei Jahre vergangen sind, sie mit einem Multimillionär verheiratet ist und die Direktorin ihrer früheren Abteilung. Nach anfänglichen Zweifeln muss sie das irgendwann glauben. Aber nichts ist plötzlich mehr, wie es war. Ihre süße kleine Schwester ist eine Betrügerin geworden, ihre besten Freundinnen hassen sie, ihr Mann ist nicht das, was sie sich unter einem liebenden Ehemann vorgestellt hat und dann taucht auch noch ein weiterer Mann auf und behauptet, sie hätten eine Affäre miteinander. Obwohl sie verzeifelt ist, stellt sie sich den neuen Problemen und versucht herauszufinden, was eigentlich in den letzten drei Jahren geschehen ist.



Sophie Kinsella, die mit bürgerlichem Namen Madeleine Wickham heißt, ist berühmt geworden durch ihre Schnäppchenjäger-Romane. Da diese mich nicht ganz so ansprechen (allein vom Klappentext her), kaufte ich mir dieses Buch, da es interessant klang. Und das ist es auch. Lexie wird mitnichten eine Supertussi, eine "Bossbitch", nach und nach versteht man sie, wie sie das werden konnte, was sie nun verabscheut. Sie weigert sich so diszipliniert zu leben, wie ihr Mann das für beide vorgesehen hat, der Ordnungswahn, das Korrekte, der Verzicht auf Kohlenhydrate. Erste Zweifel kommen ihr, als er ihr ein Ehehandbuch vorlegt, in dem sogar Kapitel drin stehen wie "Vorspiel". Sie klammert sich an die Vorstellung, ein perfektes Leben zu haben, aber zusammen mit dem Leser entdeckt sie, dass nichts auf der Welt perfekt ist (und schon gar nicht allein des geldes willen). Manche Dinge im Plot wirken schon ein wenig konstruiert, aber ich glaube, solche Romane leben einfach von überstrapazierten Klischees. Es las sich alles schnell weg, ist mitunter durchaus witzig und genug Gefühl wird auch geboten. Auch, dass alles wirklich so überaus positiv ausgeht, ist im Genre so vorgesehen und ich gönne es Lexie wirklich! Locker leichte Unterhaltung pur, für zwischendurch, die Bahnfahrt oder verregnete Tage. Mir gefiel's.


Im Aufruhr der Gefühle - Darlene Marshall




Lady Julia Anne Sanders Delerue will herausfinden, wer die elterliche Schifffahrtslinie zum Schmuggeln benutzt. Unerwartet wird sie in die Sümpfe Floridas verschleppt und beim geheimnisvollen Rand Washburn abgeliefert. Sie merkt schnell, dass der gutaussehende Mann in die Geschäfte verwickelt ist und bleibt bei ihm. Als sie in ein geheimes Treffen der Bande platzt, zwingt man beide zur Heirat. Im Glauben, die Ehe annolieren zu können, willigt sie ein. Dann jedoch drängen die "Zeugen" das frisch vermählte Paar zur Hochzeitsnacht. Im alltäglichen Leben auf der Farm können sich beide der Anziehungskraft des jeweils anderen nicht entziehen. Die Geheimnisse machen ihr Zusammenleben jedoch nicht leichter und schließlich fliegt alles auf.



Darlene Marshall, die selbst in Florida lebt, setzt hier fort, was sie mit "Rache und Rosen" begann. Dort fanden Lady Julias Eltern zusammen, denen man auch hier begegnet. Der Leser erlebt eine abwechslungsreiche und interessante Umgebung, die positiv auffällt. Ein Opossum kocht man nicht alle Tage. Dennoch löst vieles davon auch ablehnende Emotionen aus, was beweist, dass die Autorin es versteht, mit den Gefühlen des Lesers zu spielen. Die erotische Spannung und die kleinen neckischen Dialoge regen dazu an, auch weitere Romane der Autorin zu lesen.



Mittwoch, 21. Januar 2009

Obsession - Hitomi Kanehara



Es ist geschehen, womit ich nicht gerechnet habe. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Trotz der vielen Vorurteile, die ich hatte, bin ich (bilde ich mir jedenfalls ein) unvoreingenommen an das Buch herangegangen. Es ist sicherlich ... schräg und völlig anders, weicht ab von bekannten Bahnen und spricht aus, was manche so nicht einmal denken würden.



Rin ist 22, Autorin und frisch verheiratet. Ihr Manager möchte, dass sie eine Autofiktion schreibt, also eine erfundene Biografie. Schon an dieser Stelle vermutete ich, dass auch Hitomi Kanehara genau das gemacht hat. In einer alten Ausgabe des Büchermagazins ist nachzulesen, dass sie selbst am linken Unterarm Narben vom Ritzen hat, genau wie Rin. Nicht alles wird wahr sein, aber auch nicht alles erfunden. Die Figur der jungen Frau im Buch ist zutiefst gestört in ihrem sozialen Verhalten. Besonders ihre Beziehung zu Männern hat gelitten, was auch, aber nicht nur, in ihrer Kindheit/ Jugend begründet zu liegen scheint. Jeder Mann ihres Lebens hat sie verraten und im Stich gelassen, wie soll sie da auch Vertrauen aufbauen? Aber sie sehnt sich nach einem Platz im Leben, jemandem, der nur ihr gehört, bei dem sie das erfährt, was sie bislang vermissen musste. In mehreren Rückläufen werden eben jene Beziehungen erzählt, die Ehe mit 22 (Winter, Shin), 18 (Sommer, Shâ), 16 (Sommer, Gatô), 15 (Winter, Nyanko).



Die Welt des jungen Japans ist auf den ersten Blick erschreckend. Orgien, Drogen, Sex und mehr oder minder recht planlos verlaufende Leben. Völlig an den Haaren herbeigezogen finde ich das nicht, denn auch hierzulande brechen immer mehr junge Menschen aus der Welt ihrer Eltern aus. Bietet man ihnen keine Alternativen ... was soll schon werden? Ohne Orientierung kann man in einer Welt, der man sich nicht anpassen will oder kann nicht existieren. Nur vegetieren. Das haben nicht nur die Frauen erkannt, sondern so bilde ich mir ein, auch die Männer. Viele von den Partnern Rins haben sich ebenfalls "Obsessionen" oder auch Nischen gesucht. Ob es Shâ ist, der nur für seine Musik lebt oder Gatô, der von Spielautomat zu Spielautomat zieht und dabei genauso eifersüchtig ist, wie Rin es später sein wird. Die "neue Welt" des Konsums, Mode, Film/ TV und die "alte Welt" der Dogmen, Werte und Familienehre passen nicht mehr zusammen. Aber der Wandel kommt scheinbar so schnell, dass niemand Zeit hat, sich darauf einzustellen. Freiheit ist für die Frauen, die meist ihr Leben lang an einen Mann gefesselt waren, den sie nicht liebten und der sie nicht liebte, "freie Wahl des Sexpartners - so oft man will". Dass dies keine wirkliche Freiheit ist, scheinen sie noch nicht verstanden zu haben. Nicht nur Rin, auch ihre zahlreichen Freundinnen und Bekannten suchen sich die Selbstbestätigung, die ansonsten in ihrem Leben fehlt, über "Titten und ihre Möse", was natürlich im Geschlechtsverkehr enden muss, aber von diesen Frauen billigend in Kauf genommen wird. Orientierungslose, unglückliche (junge) Frauen, die nicht wissen, wie sie sich ausleben sollen. Das dies in einer Katastrophe beginnt und (hoffentlich nicht) endet, scheint beinahe klar zu sein. Beim Zwiegespräch zwischen Rin und ihrer Möse, in einer Situation der völligen Verzweiflung, hätte man Möse auch mit "kleines Männchen im Ohr" oder schlicht "Gewissen" übersetzen können. Hitomi Kanehara bringt es eben mehr auf den Punkt. Und mal ehrlich: Ist Rin die erste, die knutscht und fummelt, obwohl sie den Kerl nicht kennt oder leiden mag, nur weil er ihr bewundernd in den Ausschnitt geglotzt hat? Weil sie denkt, das könnte ihre Laune heben oder einfach aus Gründen der Rache? Jedenfalls aus einem Grund, der keiner ist, den man sich später zurechtbiegen und schön reden muss, weil man bereut, was man getan hat.



Der Anfang des Buches las sich für mich zunächst stockend. Es gibt zwar Szenen, die auflockernd wirken, doch mir scheint, die Autorin hat sie bis zum Ende immer mehr "eingeschrieben". Was ich mich frage ist, wieso die Partner Rins es meist so lange mit ihr ausgehalten haben. Dass sie gut aussieht und ihr Busen die richtige (gibt es eine falsche?) Form hat, ist für mich kein Grund. Vielleicht, weil sie auch jeden Schwachsinn der Kerle mitmacht. Das Ende, das eigentlich der Anfang ist, wirkte auf mich verstörend, da mir das Fazit ein bisschen fehlt bzw. vielleicht auch einfach nur das Happy End. Aber klar, so ein Buch kann gar nicht mit einem solchen aufwarten. Ich möchte mir aber trotzdem einbilden, dass Rin nachdem sie ihr autofiktionales Buch geschrieben und ihr Leben überdacht hat, ihre Prioritäten überprüft und es fortan mal ohne Mann versucht. Sich auf sich selbst besinnt, auf das, was sie erreicht und geschaffen hat - was so unansehnlich nicht ist. Immerhin hat sie ein erfolgreiches Buch geschrieben und das nach diesem Werdegang. Das im übrigen, kann ich glauben, so wie ich auch glauben kann, dass sie dieses Buch schreiben wird. Einige Sachen, das gebe ich offen zu, hätte ich weggelassen. Die Freundin, die ausschweifend von ihren Sexerlebnissen erzählt beispielsweise. Oder die Orgie, auf der Rin ihren Shâ kennenlernt. Das war dann doch etwas too mouch. Zu aufgebauscht für meinen Geschmack. Winter/ Sommer kann ich in keinen Zusammenhang bringen und würde mich freuen, wenn mir das jemand erklären könnte. Die Namen der Männer bedeuten bestimmt auch etwas, jedenfalls wirkt das so auf mich. Ansonsten empfand ich "Obsession" als sehr mitreißend und gefühlvoll. Es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ob ich jetzt allerings wirklich 18 Euro dafür bezahlt hätte, das glaube ich eher weniger. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann eine Taschenbuchausgabe.


Dienstag, 20. Januar 2009

Im Reich des Vampirs - Karen M. Moning



Das ist Teil 2 der "Fever Series". Im englischen erschien "Faefever" also Teil 3 laut Homepage der Autorin am 16. September 08. Wann dieser auf deutsch erscheinen wird, konnte ich leider nicht herausfinden.



MacKayla Lane reiht sich ein in die zahlreichen anderen "Heldinnen", die es mit (wortwörtlich) unmenschlichen Gegnern zu tun bekommen. Noch vor dem Prolog weist die Autorin darauf hin, dass es im hinteren Teil des Buches ein Glossar mit Namen und Begriffen gibt und das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Allerdings machte ich nach der Lektüre dessen ein doch recht langes Gesicht. 'Meine Güte', dachte ich. 'Hat sie etwa abgeschrieben?' Wer "Schattenkuss" (Hamilton) kennt, dem werden die meisten der genannten Begriffe: Seelie, Unseelie etc. nicht fremd sein. Teil 1, das sollte ich vielleicht noch erwähnen, habe ich nicht gelesen, was aber auch nicht wirklich notwendig ist.



MacKayla Lane hat es (noch) nicht geschafft, den Mörder ihrer Schwester zu finden und die furchtbare Rache, die ihr so vorschwebt an ihm zu vollziehen. Sie lebt im Buchladen bei Jericho Barrons und lässt erst einmal einiges auf sich wirken. Zunächst ihre Gefühle Barrons gegenüber, den sie glaubt zu hassen, mit dem sie aber doch einige erotische Momente verbindet. Dann taucht plötzlich der Feenprinz V'lane bei ihr auf und möchte sich mit ihr "anfreunden". Schließlich kommt sie mit der geheimnisvollen Schwesternschaft der Sidhe-Seherinnen - getarnt als Post Hast Inc. - in Berührung. Alle haben scheinbar nur das Ziel, sie auf die eigene Seite zu ziehen, die angeblich gute. Warum diese drei Guten dann dennoch auch gegeneinander kämpfen ist weder Mac noch mir so richtig klar. Macs Vater taucht auf und möchte sie heim bringen, reist dann aber, nach Barrons Trick mit der allmächtigen Stimme, wieder ab. Mallucè ist, wie bei seiner ersten Erwähnung im Buch erwartet, nicht wirklich tot und es gibt den ebenfalls erwarteten Endkampf. Bei allem bleibt das Hauptziel aber immer noch die Suche nach Feenobjekten, die nur MacKayla spüren kann, allem voran natürlich das Sinsar Dubh, das dunkle Heiligtum (ein Buch) der Tuatha Dè Danaan.



Es ist eben ein Teil 2. Zunächst wird doch recht straff die Handlung aus Teil 1 mit zahlreichen Erklärungen wiedergegeben, was zunächst wenig Laune aufs weiterlesen macht. Aber sobald die eigentliche Handlung einsetzt, ist man drin. Die Liebesgeschichte zwischen Mac und Barrons hat Karen M. Moning, wie nicht anders zu erwarten, wunderbar hinbekommen. Darin nämlich hat sie Übung, schreibt sie doch schon länger Highlandromane, in denen das Gefühl nie zu kurz kommt. Diese Beziehung steht auch bei jeglicher anderen Handlung stets im Vordergrund. Wo die Vampire sind, die laut Titel doch massenweise auftreten müssten, ist mir nicht so recht klar. Ich vermute, dass der Lord Master ein Vampir ist oder wenigstens so tut, denn immerhin beansprucht er das Gebiet, in dem sich Mac nun befindet als sein Machtzentrum. Was immer er aber ist, Barrons muss ihm mindestens ebenbürtig oder mächtiger sein, da er, fast im vorbeigehen, Mac für sich beanspruchen kann und das in einer Situation, in der der Lord Master weit überlegen gewesen sein dürfte. Mir hat das Lesen Spaß gemacht, aber dennoch reicht Moning für mich nicht an namhafte Autoren des Vampir/ Feen/ Übersinnliche-Wesen Genres heran. Sie probiert sich eben aus und das merkt man. Natürlich ist Mac ein It-Girl, das nun gezwungen ist, völlig anders zu leben und dadurch wohl wirklich kuhl (cool) sein soll. Und natürlich wird sie von allen Männern begehrt. Aber hier schien es mir alles eine Spur zu viel des Guten. An einigen Stellen des Buches wurde ich einfach nicht mit Mac warm, wenn ich allerdings ihre Situation nachfühlen und ihre Handlungen nachvollziehen kann. Dass sie sich unbedingt retten lassen muss, war mir irgendwie von Anfang an klar. Ist Geschmackssache. Ihre erfunden Bezeichnungen für die Wesen, die es offenbar nur in Schottland/ Irland gibt (Haben die keine Lust, sich nach 240.000 Jahren mal die weite Welt anzusehen?), da Mac sie dort das erste Mal sieht, sind zunächst erst einmal befremdlich. Aber wenn man so darüber nachdenkt eigentlich doch sehr treffend. Tod-durch-Sex-Feenwesen passt doch und liefert gleich eine Erklärung (und Warnung) mit. Was ich mir allerdings unter Rhino-Boys vorzustellen habe und wie sie auf diesen Namen gekommen ist, das weiß ich nicht genau. Was Karen M. Moning aber geschafft hat, ist, dass ich gern auch Teil 3 lesen würde. Im englischen ist dieser am 16.September erschienen, wann man ihn auf deutsch zu lesen bekommt, konnte ich leider nicht herausfinden. Vielleicht hilft da auch Ullstein ein wenig weiter? Ich würde mich freuen. Das Kuriose daran ist aber, dass ich Teil 1 nicht anschaffen werde. Mir sind nach "Im Reich des Vampirs" kaum Fragen offen geblieben und mich interessiert im Grunde auch nur, wie es mit Mac und Barrons weitergeht. Dass sie den Mörder ihrer Schwester schnappen und töten wird, scheint ohnehin klar zu sein.


Samstag, 17. Januar 2009

Ein unerhörtes Angebot - Mary Brendan



Helen und ihre Schwester sollten eigentlich gut versorgt vom Vater sein. Doch ihr Bruder wirft ihr Geld nur so zum Fenster hinaus. Und das für die Kleider seiner Frau, die mit jedem Mann schläft, den sie finden kann. Ihr neues Ziel ist Jason Hunter, der früher ein Freund der Familie war. Helen lebt in einem ungeheizten Haus, ernährt sich von Hafergrütze und kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Ihr Bruder will sie und ihre Schwester zur Mätresse eines reichen Mannes machen, um seinen Pflichten ihnen gegenüber zu entgehen. Jason kauft das Haus Helens, das eigentlich ein alter Familienbesitz ist und sieht sich genötigt, für sie und ihre Schwester zu sorgen. Doch Helen will keine Almosen und schlägt ihm vor, seine Geliebte zu werden. Schon bald verlieben sich beide ineinander. Doch eine Intrige von Helens Schwägerin scheint alle Hoffnungen auf ein glückliches Ende zunichte zu machen.


Mir gefiel der Roman sehr gut. Nichts ist übertrieben, es wimmelt nicht vor Klischees, wie es leider oft in solchen Romanen der Fall ist. Die Liebesgeschichte beginnt zart und entwickelt sich mit der Zeit. Auch das Verhalten des Bruders wird zum Ende hin plausibler. Es scheint fast so, als gäbe es bald eine Fortsetzung mit Jasons Bruder und seiner Auserwählten (die natürlich nichts von ihm wissen will). Vielleicht darf dann auch Helens Bruder endlich glücklich werden. Mit dem Märtressentum wird vieleicht einen Tick zu offen umgegangen, da es so fast gar keine Konsequenzen zu haben scheint. Außer eben Getuschel und Blicken. Auch Helens Schwägerin, die nun wirklich "leichtfertig" mit der Liebe umgeht, passiert nichts. Aber darüber kann man leicht hinweg sehen. Für diesen Preis ist der Roman ein unerhört gutes Angebot.


Mittwoch, 14. Januar 2009

Killing Beauties - Beverly Barton



Auch, wenn es im ersten Moment nicht so aussieht, aber das ist kein knallharter Thriller, das ist Romantic Crime. Und zwar in Folge. Der nächste Teil erscheint dann im Oktober 2009. Man versteht das Buch allerdings auch, ohne die vorhergehenden gelesen zu haben, da jeder Serienteil in sich abgeschlossen ist.



Die Cousins Pinky und Pudge haben vor fünf Jahren mit einem makabren Spiel begonnen. Sie töten ehemalige Schönheitsköniginnen. Je nachdem, mit welchem Talent diese in der Show aufgetreten waren, fällt die Todesart aus. Tanzten sie, wurden ihnen die Füße abgehakt, sangen sie, Stimmbänder durchtrennt oder Kopf abgeschlagen. Per Prepaid-Handy erzählen sich die Cousins dann gegenseitig wie es für sie war. Dabei bringen unterschiedliche Haarfarben unterschiedliche Punkte, rotes Haar mit zwanzig die meisten. Judd Walker verlor vor vier Jahren seine Frau Jenny an den Killer und arbeitet mit Griff und Lindsay zusammen, um ihn endlich zu schnappen. Dabei verlor er aber mehr und mehr seinen Verstand, bis nur noch Hass und Rachegefühle übrig waren. Lindsay ist unsagbar in ihn verliebt und obwohl er ihr Schlimmes angetan hat, gibt sie ihn nicht auf. Schließlich überlebt ein Opfer kurzzeitig, ein anderes hatte, vom Mörder unbemerkt, ein Tonband zu laufen. Lindsay entschließt sich, dem Täter eine Falle zu stellen. Als sie selbst in eine solche geht, begreift Judd endgültig, was er für sie empfindet.



Die Thrilleranteile sind gut gemacht. Der Leser erlebt hautnah mit, wie der Mörder tötet, das Besondere daran ist, dass die Opfer kurz in ihrem Alltag vorgestellt werden und man so eine emotionale Bindung aufbauen kann. Wenn eine Mutter von drei Kindern komplett zerstückelt wird ... Die Hauptanteile des Buches liegen aber auf jeden Fall auf der Liebesgeschichte zwischen Judd und Lindsay. Das zieht sich mittig leider unheimlich in die Länge, wenn man aber auch hier regelrecht dabei ist. Nur geht es dann eben mit den Mordfällen und deren Aufklärung nicht weiter und auch das interessiert den Leser (also jedenfalls mich). Die Gespräche und späteren Liebeszenen sind wunderbar, wer Romantik mag, kommt voll auf seine Kosten. Das Ende ist rasant und sehr spannend. Alles in allem ist das wirklich ein sehr gutes Buch. Was mich aber sehr gestört hat, war der Klappentext. Immerhin stehen dort die Vornamen der beiden Mörder drauf, die sich im Buch selbst mit Spitz- oder Decknamen ansprechen. Diese - Pinky und Pudge - haben mich leider sehr verwirrt, weil sie so ähnlich sind. Weiterhin sind beide Mörder Cousins und sehen sich ähnlich. Irgendwann kam ich nicht mehr mit, wer nun wen umgebracht hat. Aber das ist nicht wirklich schlimm, wenn man weiß, dass sie abwechselnd morden. Spannend auch die Tatsache, dass sie am 1. April das Spiel beenden und der Verlierer selbst sterben muss. Durch die Hand seines Cousins ...


Montag, 12. Januar 2009

Interview: Gabriele Hoffmann – Wahrsagerin



http://www.gabriele-hoffmann.de/

Wie lebt eigentlich eine Hellseherin im 21. Jahrhundert?
Was immer ich erwartet habe, Gabriele Hoffmann belehrte mich eines besseren, als sie mich am 09.01.2009 um 17 Uhr in ihre Praxis zum Interview einlud.
In der Berliner Uhlandstraße (in der Nähe vom Bahnhof Zoologischer Garten) steht ein schmuckes Haus in Altbau, dass sich sehen lassen kann. In der zweiten Etage empfing mich Frau Hoffmanns Ehemann und gleich darauf auch ihr Hund. Der berühmte Udo, der mir bis an die Knie ging, ist nach seinem Paten Udo Walz benannt und beschnupperte mich gleich mal gründlichst. Ob ich sein Wohlgefallen fand, weiß ich nicht, denn weder knurrte, noch bellte er.
Frau Hoffmann empfing mich freundlich und wir gingen vorbei an dem Raum, in der sie ihre Kunden empfängt in ihr Wohnzimmer. Um es gleich vorweg zu nehmen: es gab keine Kristallkugeln, Pentagramme, Pendel, Amulette, Hexenfiguren oder was man sonst sich bei einer Wahrsagerin so vorstellt. Aber hohe Wohnungsdecken mit Stuck, dunkle, alte Möbel mit Ornamenten und Weihnachtsschmuck. Fotos von Frau Hoffmann (einige davon gibt es auch auf ihrer Website) und auf einem wirklich schönen, dicken Teppich einen langen Tisch mit Stühlen. Bei einer Tasse Kaffee begannen wir dann unser Gespräch.

Der Grund, warum ich mich an Frau Hoffmann gewandt habe, war der, dass ich plane, einen Artikel über rotes Haar und den damit verbundenen Vorurteilen, Meinungen und Erwartungen zu schreiben.
Nun ist Frau Hoffmann nicht von Natur aus rothaarig, sondern gefärbt. Sie ist Hellbraun mit einem roten Stich. Doch schon mit fünfzehn Jahren färbte sie sich die Haare rot, was aber, ihrer Aussage zufolge, nicht daran lag, dass viele das mit ihren Fähigkeiten in Verbindung brachten. Die Farbe hätte einfach zu ihr gepasst, da sie auch sehr hellhäutig sei. Außerdem war rot damals das, was heute vielleicht grün oder lila wäre und sie liebe es, zu provozieren. Rot symbolisiere für sie Feuer, Fröhlichkeit, Dynamik und es bringe Farbe in den grauen Alltag. War damit also genau richtig für sie.
Ich fragte Frau Hoffmann, ob sie glaube, dass eine bestimmte Haarfarbe hinsichtlich der spirituellen Arbeit nützlich ist. Oder vielleicht sonst irgendein körperliches Merkmal, immerhin sind viele Wahrsager entweder rothaarig oder tief Schwarz.
Frau Hoffmann stellte selbst fest, dass so gut wie keine Hellseherin blond wäre. Und nein, die Farbe oder sonst etwas würden in keiner Verbindung zur Spiritualität stehen. Im Gegenteil. Sie selbst hätte auch nie daran gedacht, dass man ihre Haarfarbe damit in Verbindung setzen könnte. Erst, als die ersten Zeitungen gewisse Formulierungen verwendet hätten, sei sie darauf gekommen. Dabei hätte sie, sagte sie lachend, ein viel deutlicheres Merkmal, dass sie als Hexe ausweisen könnte. Nämlich eine (kleine) Warze auf der Nase. Andererseits, auch das grinsend geäußert, habe sie einen Hund, keine Katze wie die Hexen im Märchen, denn sie sei allergisch gegen Katzenhaare ...
Sie äußerte aber eine Vermutung, warum es überhaupt zur der Annahme gekommen sei, dass Rothaarige damit leben mussten, nachgesagt zu bekommen, sie seien Zauberer. In Schottland und Irland sei es – durch verschiedene Umstände, unter anderem die geografische Lage – so, dass genetisch viele Menschen mit einer spirituellen Neigung leben würden (ob sie das nun zugeben oder nicht). Und bekanntermaßen gäbe es dort sehr viele Menschen mit roten Haaren.
Auf meinen Hinweis, dass es in verschiedenen Quellen heiße, es seien 10 Prozent, da reagierte Frau Hoffmann überrascht, denn sie hätte gedacht, es seien wesentlich mehr. Vor einigen Jahren, erzählte sie mir, hätte sie einmal den Präsidenten von Irland kennen gelernt. Seine Frau sei rotblond gewesen und seine Tochter tief rot. Damit sei das, sagte Frau Hoffmann lachend, die repräsentativste Familie in der Politik gewesen. Eben genau passend.
Das Klischeebild einer Wahrsagerin, mit dutzenden Ringen an den Fingern, bunten Tüchern und eben rotem Haar sei vor allem in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden. Als Frau Hoffmann mit neunzehn Jahren beschlossen hatte, ihre Ausbildung zur Krankenschwester abzubrechen und sich in der Industrie- und Handelskammer als Hellseherin einzutragen, weil „die Leute mir echt die Bude eingerannt“ hätten, da hätte eine Art Tabubruch stattgefunden. Es war damals etwas absolut Ungewöhnliches und als die Medien das Thema dann entdeckt hatten, gab es auch die ersten Scharlatane.
Ob sie selbst sich je einem Klischee hingegeben hätte? Nein, niemals. Sie lege sehr viel Wert darauf, sie selbst zu sein. Und letztendlich sei auch nur die Aussage wichtig und nicht das Aussehen oder die Maskerade.

Wie genau eine Sitzung ablaufe, fragte ich als nächstes. Zunächst dauert eine solche Sitzung knapp eine Stunde und an deren Anfang versetze sich Frau Hoffmann in Trance. Dabei dürfe sie nicht gestört werden.
Sie schließe die Augen und versetze sich in den Zustand, in dem sie Bilder sehe, die den Menschen, der vor ihr sitze betreffe. Alles, was sie sehe, schildere sie dem Klienten und zwar stimmlich so, wie die Bilder das vorgeben würden. Wären es friedliche, langsame Bilder, wäre ihre Stimme gleichmäßig und ruhig. Seien es wilde, hektische Bilder, würde sich ihre Stimme auch dem anpassen. Das einzige, was ihr aufgefallen sei, ist die Tatsache, dass sie dabei nicht Berlinere im Dialekt, sondern perfektes Hochdeutsch verwende.
Sie sei zwar in Trance, aber sie könne sich selbst hören. Unmittelbar danach erinnere sie sich an alles und würde in der weiteren Sitzung diese Bilder mit dem Klienten besprechen und auswerten.
Sie erklärte mir das so: Stellen Sie sich vor, sie würden aus einem langen Traum aufwachen. Gleich danach ist alles noch äußerst präsent, doch wenn Sie erst Duschen gehen und Kaffee trinken, dann verblassen die Bilder dieses Traumes immer mehr. Anders ist das auch nicht bei einem tranceartigen Zustand.
Hat man diese Gabe, wie Frau Hoffmann sie vorweisen kann, dann brauche man, ihr zufolge, unbedingt einen Gegenpol in der Realität und unbedingt auch Abstand. Das „sich in Trance versetzen“ sei körperlich und geistig sehr anstrengend und sie verstehe gut, wenn einige hellsichtige Menschen im Alter, wenn die Bilder intensiver werden und sich nicht mehr so leicht kontrollieren lassen, schlichtweg verrückt werden.
Ob sie schon mal falsch gelegen hätte? Ja, aber natürlich. Es gebe immer Phasen im Leben, wenn man Grippe hätte, oder Kummer oder einfach nicht so bei der Sache ist, dass sie sich einfach nicht konzentrieren konnte. Darum und weil sie sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst sei, schicke sie auch in solchen Phasen Kunden fort. Weiterhin könne es vorkommen, da sie auch älter geworden sei mit den Jahren und daher mehr Lebenserfahrung besitze, dass sie zu viel in die gesehenen Bilder hinein interpretiere. Darum würde sie nie einem nahestehenden Menschen, einer Freundin zum Beispiel wahrsagen.

Frau Hoffmann ist im übrigen Spezialistin für persönliche Schicksale und nicht für globale Angelegenheiten. Das, was manche Hellseher tun, wenn sie Erdbeben oder die Gewinnchancen einer Partei bei der nächsten Wahl hervorsagen, das mache und könne sie nicht. Das einzige Mal, wo ihr derartiges passiert sei, wäre Anfang der 70er Jahre gewesen. Damals sah sie Bilder von emotional aufgewühlten Menschen, die auf der Straße unterwegs waren und tanzten. So weissagte sie, dass zwischen 1986-1989 die Mauer in Deutschland fallen würde.

Während unseres Gesprächs kamen wir immer wieder auf astrologische Dinge und Tatsachen zu sprechen. Frau Hoffmann machte einen sehr gefestigten und gelehrten Eindruck, sie weiß auf jeden Fall, was sie tut. Leider musste ich sie enttäuschen, da ich zwar mein Sternzeichen kenne, aber nicht meinen Aszendenten. Ja, ich weiß nicht mal genau, was das ist.
Frau Hoffmann hatte auf Radio Teddy (einem Sender für Kinder in Berlin und Umgebung) etwa Anderthalb Jahre eine astrologische Sendung. Diese war natürlich eher für Eltern gedacht, die anrufen und Fragen stellen konnten. Allerdings nicht im Hinblick auf das Wahrsagen. Sie gab beispielsweise Ratschläge, was man tun könne, wenn das Kind stottere. Wären Pluto oder Uranus als Aszendent zu verzeichnen, dann sei das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit sprachgestört.
Die Sendung hätte ihr sehr viel Spaß gemacht und sie liebe es generell, wenn sie einem Menschen weiterhelfen könne.

Aber was für Menschen sind das eigentlich, die eine Wahrsagerin aufsuchen?
Selten sei es reine Neugierde, die jemanden dazu treiben würde. Es seien eher jene, die feststecken in ihrem Leben, die ihr neutrales Gespür für die Situation verloren haben. Oder die völlig Unglücklichen.
Frau Hoffmann rate aber allen, höchstens ein bis zweimal im Leben eine Wahrsagerin aufzusuchen, nicht öfter. Auch sei der Glaube und die Hoffnung falsch, sich mit dem Honorar eine gute Zukunft zu kaufen. Sie könne nur das wiedergeben, was sie sehe. Und das sei nicht immer alles nur gut.
Sie schrecke aber auch davor zurück, einem Kunden nur Schlechtes zu sagen. Schon rein als Mensch hätte sie das Bedürfnis, auch etwas Gutes mitteilen zu können.
65 Prozent der Schicksalspunkte eines Lebens seien, Frau Hoffmann zufolge, vorherbestimmt. Daher könne sie beispielsweise eine Heirat in den nächsten vier Jahren vorhersagen, aber wer derjenige sein wird, ob blond ob braun, das stehe völlig offen.
Berühmtheiten kämen im übrigen aus den gleichen Gründen zu ihr. Aber es seien nicht in erster Linie Künstler, Sänger, Schriftsteller, sondern zu mehr als siebzig Prozent Menschen aus Wirtschaft und Politik. Gerade zu Zeiten der VW-Affäre oder der des Börsenkrachs, seien jene gekommen, die direkt in der Bank- und Finanzkrise drin wären. Ihr käme das teilweise seltsam, teilweise völlig logisch vor, dass gerade diese korrekten Menschen aus der Chefetage kämen, wenn man die Gründe bedenken würde, aus der überhaupt jemand zu ihr komme. Nur würden die es eher weniger zugeben. Allerdings zählen die auch zu ihren Stammkunden, die etwa alle sechs bis acht Jahre kämen. Und durch Mundpropaganda andere mitbrächten.
Erst vor kurzem hätte sie der Sohn eines Mannes aufgesucht, der Begründer und Besitzer einer Schokoladenmarke sei, die wir alle kennen und die man in jedem Supermarkt kaufen kann. Da er die Firma seines Vaters nun übernehmen würde, hätte Papachen empfohlen, er solle mal zu Frau Hoffmann gehen.
Sie freut sich sehr darüber, da sie einen durchaus angemessenen Perfektionsanspruch hat und dies zeige, dass sie es gut mache.

Frau Hoffmann hat ihr erstes Buch mit 21 Jahren geschrieben. Damals mit Hilfe eines Lektors, der wie ein Co-Autor agiert hätte. Auch ihr neuestes Werk „Wahrsagen: Wegweiser für Schicksal und Zukunft“ hätte eine Co-Autorin gehabt. Nach eigenen Aussagen stammten etwa 65 Prozent des Buches von Frau Hoffmann und 35 Prozent von der anderen Frau. Sie hätte darauf bestanden, dass sich dies auch auf dem Cover bemerkbar machen würde, doch der Verlag hätte nur ihren Namen auf das Buch gedruckt und den Namen der Co-Autorin finde man erst, wenn man es aufschlage.
Sie plant im übrigen schon das nächste Werk.

Private Geständnisse? Sicher eher Altbekanntes.
Frau Hoffmann ist eine von insgesamt sechs Geschwistern, von denen eine ihrer Schwestern Warzen und Gürtelrose bespricht. Ihr Sohn, der sechsundzwanzig Jahre alt ist, hat auch ein wenig ihrer Gabe geerbt. Aber wie das bei Männern so sei, sagt sie nicht ich, hätte er eher etwas Furcht davor und praktiziere nicht und verschweige das auch eher. Er ist Radiomoderator bei Radio Teddy.
Eine ihrer Großmütter, bei der sie bis zum sechsten Lebensjahr viel Zeit verbracht hat, hätte in Biesdorf nahe Wuhlheide gelebt. Da ich ebenfalls in Biesdorf aufgewachsen bin, hatten wir einigen Gesprächsstoff gefunden.
Schon in der Schule hätte sich ihre Gabe gezeigt und sie hätte mehr als einen Lehrer sprachlos erlebt, als sie eine Scheidung oder eine Geliebte vorhergesagt hätte. Sie provoziere noch heute gern und liebe es, wenn wieder ein (am liebsten biederer) Mensch vor ihr sitze und sie diesen durch ihre Aussagen oder einfach die Tatsache, dass sie Recht behalte, schockieren könne.
Die Gabe liegt in ihrer Familie, ihre Uroma Louise Herfurth hätte, wie Frau Hoffmanns Schwester die Hand aufgelegt und Warzen besprochen. Allerdings nur bei wahrhaft gläubigen (christlichen) Menschen, alle anderen seien hochkant rausgeflogen.
Elisa Koch, ihre Großmutter mütterlicherseits, sei Heilerin gewesen, hätte Salben hergestellt und Karten gelegt.

Nach etwa einer Stunde, in der Udo übrigens friedlich neben uns ausgestreckt gedöst hatte und nicht mal böse guckte, wenn ich an sein Quietschehündchen (einen schwarzen Pudel mit einem weißen Knochen im Mund) stieß, beendeten wir unser Gespräch. Obwohl ich sonst eher weniger zu den Kaffeetrinkern gehöre, habe ich sage und schreibe zwei Tassen davon geleert. Auf dem Weg hinaus machten wir noch kurz in dem Raum Halt, in dem sie ihre Sitzungen abhält. Auch, wenn ihre Haarfarbe nichts mit den Sitzungen zu tun hätte, meinte sie halb im Scherz und halb im Ernst, sei sie doch sehr stolz auf die rote Wand. Denn die rote Farbe würde sie inspirieren und das brauche sie.
Mich faszinierte eher die weiße Stuckdecke, denn eine solche wünsche ich mir für meine Wohnung auch, egal wie altbacken manche das finden mögen.
Der berühmte Lederstuhl, auf dem die Kunden Platz nehmen, stand direkt neben mir und schräg vor mir gab es einen kleinen Ofen.
Das Telefon im übrigen klingelt recht häufig, aber niemand der beiden – Frau Hoffmann oder ihr Mann – gingen ran. Es sei schließlich Wochenende und der Anrufbeantworter sei angeschlossen, erklärte sie mir. Man muss eben auch Prioritäten setzen.
Ich zog meine Jacke an, band meinen Schal um und schüttelte Frau Hoffmann in der Hoffnung die Hand, sie habe nichts aus meinen Leben gelesen. Udo machte doch endlich einmal Wuff und schon stand ich glücklich im Hausflur.


Sonntag, 11. Januar 2009

Die Teufelshaube - Ariana Franklin



Zweites Abenteuer, wieder sehr gelungen.

Adelia ist Waise, wurde aber von einem jüdischen Vater und einer christlichen Mutter aufgezogen. Sie ermöglichten Adelia das Studium der Medizin - immerhin im Jahre 1160 rum. Sie lernt gut von und mit ihrem Vater und wird bald so etwas wie eine Spezialistin - der Toten. 1171 kommt sie in "Die Totenleserin" nach England, um die Morde an einer Reihe unschuldiger Kinder aufzuklären. Da ihr das gut gelingt und sie den König beeindrucken kann, erlaubt ihr dieser nicht, nach Italien zurückzukehren. Sie muss bleiben und schließlich geschieht ein Mord, der einen Bürgerkrieg auslösen könnte. Der König besteht darauf, dass der wahre Schuldige gefunden wird und da bisher alles auf seine Frau hinweist, die die Rivalin offenbar ermorden ließ, macht er sich zum Krieg bereit. Adelias Geliebter, der Bischof (nahm den Posten an, da sie ihn nicht heiraten wollte, da sie sich nicht zur Hausmutti berufen fühlte) lässt sie und die gemeinsame Tochter zu sich kommen und überredet sie, sich der Sache anzunehmen. Die schöne Rosamund sitzt von Eis vor Verwesung bewahrt in ihrem Turm am Schreibtisch, mit der Feder in der Hand und einen Brief an die Königin schreibend. Durch mehrere Umstände gelangt Adelia in das Kloster um Oxford und wird dort mit ihrer Tochter, Gyltha ihrer Freundin und Mansur ihrem Begleiter eingschneit. Nicht nur ein Mörder ist unter ihnen und Adelia macht sich ans Werk, die Schuldigen zu finden. Dabei riskiert sie aber nicht nur ihr eigenes Leben...



Schon vor einigen Jahren stieß ich auf diese Autorin, damals noch unter dem Namen Diana Norman. Ich bin froh, dass sie endlich auch von einem breiteren Publikum entdeckt wurde. Mir gefiel, wie sehr ich mich in die Zeit hinein gesetzt fühlte, wie ausgeklügelt man Stück für Stück der Wahrheit näher kommt. Auch die Liebesgeschichte zwischen Adelia und ihrem Bischof ist gelungen, wenn sie diesmal doch eher Beiwerk ist. Eleanor gefiel mir, Facetten, an die ich so nie gedacht hätte (obwohl ich mich mit der historischen Gestalt schon beschäftigt habe) wurden mir offenbart. Mein einziges Manko ist das Ende, leider. Denn da klärt sich ja alles auf. Ich bin inzwischen schon so vielen Personen begegnet, die Posten oder Titel inne hatten und mal mit diesen und mal mit ihrem Namen benannt wurden, dass ich zuerst den Mörder Rosamunds (und dessen Auftraggeber) nicht einordnen konnte. Es dauerte immerhin zwei Seiten bis ich mich erinnerte wer das war. Dann schließlich kommt aber alles so, wie ich das erwartet habe, mir gefällt das Ende und ich glaube und hoffe, dass Ariana Franklin noch ein weiteres Buch rund um Adelia schreiben wird. Der wirkliche Mörder konnte nämlich entkommen und wieder ist es ihr nicht erlaubt aus England auszureisen... Als Taschenbuch ist "Die Teufelshaube" leider noch nicht erschienen, aber Weltbild hat sene Ausgabe um 40% gesenkt. Ich empfehle das Buch, es gefiel mir sehr, aber ich bin zugegebener Maßen auch ein Fan der Autorin geworden.


Freitag, 9. Januar 2009

Die Dienerin des Schwertes - Ellen Kushner



Vorab eine, wie ich finde, wichtige Info: Das Buch ist in sich abgeschlossen und wirklich jeden Cent wert! Der Klappentext ist eine Spur zu pathetisch gehalten, es klingt wie ein Kleinmädchenbuch, doch das ist es nicht.

Katherine ist fünfzehn und lebt bei ihrer Mutter, die zufällig die Schwester des "Irren Herzogs" von Tremontaine ist. Er ist noch immer verstimmt darüber, dass die geliebte Schwester ihn verließ um zu heiraten und setzte sowohl sie, als auch ihren Mann stark unter Druck. Nun bietet er ihr an, ihre Tochter sechs Monate unter seine Fittiche zu nehmen und ihr dafür alle Schulden zu erlassen und all das Land, welches ihr zusteht, zurückzugeben. Katherine freut sich, erwartet sie doch, schöne Kleider, Bälle und das Leben in einer großen Stadt vorzufinden. Doch genau das ist es, was ihr versagt bleibt. Ihr Onkel steckt sie in Männerkleidung und lässt ihr das Fechten beibringen. Der Alltag der Reichen und Mächtigen besteht aus Ehrenkämpfen, die sie allerdings nicht selbst führen, sondern bezahlte Schwertkämpfer dingen. Katherines Onkel ist ein sehr vielschichtiger Charakter, der ihn nur umso interessanter macht. Er ist hochintelligent, zu seinen Freunden zählen nur wenige Auserlesene (wie z.B. "Des Herzogs hässliche Dame"), er kifft und trinkt, holt bevorzugt schöne junge Männer in sein Bett (selten auch mal eine Frau), kümmert sich um einen Stricherjungen und schafft es, seinen Feinden immer einen Schritt voraus zu sein. Abgesehen von seiner geheimen Liebe. All das findet Katherine (zusammen mit dem Leser) nach und nach heraus. Ihr Part wird in der "Ich-Form" erzählt, alles andere nicht. Der Wechsel ist gelungen und fällt bald kaum mehr auf. Katherine begegnet vielen Menschen und tritt auch als deren "Verfechterin der Gerechtigkeit" auf. Frauen haben es in dieser Welt und Zeit nicht einfach und ich denke, sie weiß ganz genau, was für eine Chance ihr Onkel ihr da gegeben hat. Ihr und ihrer Zeit.



Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die richtige Mischung Spannung, Historie und auch Erotik. (Die allerdings nicht aufdringlich oder pornografisch ist.) Die vielen stark ausgeprägten und auch mal völlig anderen Charaktere würzen die Geschichte auf die richtige Weise. Hinzu kommen viele Intrigen, die oft verworren, sich alsbald auflösen, den Leser aber nie narren, wie so manch Figur des Buches. Und immr steckt der Herzog dahinter, der so irre nicht ist. Nur anders und es in vollen Zügen genießt, mit sämtlichen Konventionen zu brechen. ("Schwarzer Humor"!) Mantel und Degen, verpackt in Spannung, Erotik und auch ein ein bisschen Fantasy. Wer genug hat vom Einheitsbrei, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!