Dienstag, 21. Juli 2009

Was liest Claudia Toman?




Claudia Toman wurde 1978 in Wien geboren und ist als Einzelkind bei ihrem Vater in einem beschaulichen Vorort der österreichischen Hauptstadt aufgewachsen. Schon in der Schulzeit verbrachte sie mehr Zeit mit Frodo Beutlin, Sam Gamdschie, Dolly Rieder, Ronja Räubertochter, Mowgli und Baghira, den drei Fragezeichen oder Stephen Kings Club der Verlierer als mit ihren Spielgefährten. Geschichten zu erfinden, Tagträumen nachzuhängen, auf Bäumen zu sitzen und in Phantasiewelten einzutauchen machte den Großteil ihres Lebens aus. Schon damals hat sie den Entschluss gefasst, Geschichtenerzählerin zu werden. (Mehr davon auf der HP)


Warum sollte man als Autor viel lesen?
Viel zu lesen ist die einzige "Ausbildung", die einen zum Schriftsteller qualifiziert. Nur durch umfangreiche und begeisterte Lektüre lernt man das Handwerk. Das hört nie auf. Es ist ein ständiger Lernprozess. Dazu kommt noch, dass man immer an seinen Lesern dran bleiben sollte. Welche Themen beschäftigen gerade, was sind die Fragen, die entstehen, was interessiert? Damit meine ich nicht, dass man munter auf jeden Zug aufspringen muss, aber man sollte sich nicht von dieser Thematik ausgrenzen indem man die Mainstream Lektüre verweigert. Man kann so viel Inspiration aus dem Mainstream schöpfen, was nicht bedeutet, dass man darin schwimmen muss.


Was ist das erste Buch, das Sie jemals gelesen haben?
Hat es Sie vielleicht in irgendeiner Art und Weise beeinflusst?
Das ist ganz schwer zu sagen, weil ich lese, seit ich aus Buchstaben Wörter formen kann. Daher war das bestimmt so etwas wie "Der kleine Bär" oder "Die kleine Katze". Aber bis heute haben die Märchen der Brüder Grimm einen ganz enormen Einfluss auf mich, was sich bis in meine Romane fortsetzt. Denn hinter diesen possierlichen Wäldchen, Schlösschen und Bächlein, hinter den sieben Bergen und den dichten Dornenhecken verbirgt sich so viel Psychologie, so viel Lebensweisheit und auch so viel intensives Gefühl, dass man nie damit fertig wird, zu forschen, egal ob man fünf, fünfundzwanzig, fünfundfünfzig oder hundertfünf Jahre alt ist.


Was lesen Sie derzeit und wie gefällt es Ihnen?
Ich lese mich derzeit in die Werke von Neil Gaiman ein, wo ich mich sehr zuhause fühle, weil er einen ähnlichen Zugang zu verrückten Geschichten hat wie ich. Das mag ich. Deshalb liebe ich auch Haruki Murakamis Bücher so sehr. Neil Gaiman spricht auf einer ähnlichen Ebene an wie Grimms Märchen, es gibt immer neue Türen, die sich öffnen, bis man tiefer und tiefer in die menschliche Psyche und zugleich die rätselhaftesten, fast traumhaften Geschehnisse eintaucht.
Ich habe gerade sein Kinderbuch "Coraline" verschlungen, die Alice heftigste Konkurrenz macht und fange jetzt mit "Neverwhere" an, wo es eine geheime Unterwelt Londons gibt, womit wir wieder bei Gemeinsamkeiten angekommen wären.


Welches Buch möchten Sie unter keinen Umständen geschenkt bekommen? Warum?
So ein Buch muss erst erfunden werden. Ich lese eigentlich alles, zumindest beginne ich alles und schaue dann, ob mich der dramaturgische Aufbau und/oder die Phantasie des Autors mitreißt, manchmal auch die schiere Sprachgewalt. Aber sagen wir mal so, Liebesromane mit verschlungenen Körpern vor fernen Sonnenaufgängen am Cover sind vielleicht nicht mein ganz ideales Geburtstagsgeschenk.


Was glauben Sie, welchen Stellenwert hat das (Taschen-)Buch heutzutage noch?
Ich bin der Meinung, der Stellenwert ist immer noch erstaunlich hoch. In einer Zeit, wo fast alles digitalisiert ist und kaum noch jemand per Brief, schon gar nicht mehr handschriftlich verkehrt, finde ich es sehr interessant, dass ein Produkt, das nur aus Papier und Druckerschwärze gefertigt ist, derart beliebt ist. Man braucht sich nur die Massen in Buchhandlungen ansehen, die Kassen von Hugendubel oder Thalia Samstag Nachmittag, die beliebten Bücherforen im Internet um zu sehen: Das Buch lebt, absolut, Ersatz wurde dafür noch nicht erfunden. Liebe Grüße aus Wien, Claudia Toman


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